Von Gero von Randow

Es gibt Menschen, die werden von Außerirdischen manipuliert. Zum Beispiel die Programmverantwortlichen der ARD. Denn wie sonst ließe sich erklären, daß sie am Montag vergangener Woche den Film "Ufos – und es gibt sie doch!" ins Land sendeten?

Tortengleich schwebte, im Anschluß an die "Tagesschaü", ein Etwas über Eupen. "Seriöse Ufo-Forscher", behauptete der Film, hatten Es per Computeranimation in Filmaufnahmen gefügt, die das ansonsten wenig aufregende Städtchen an der deutsch-belgischen Grenze zeigten.

Tatsächlich hatten im November 1991 und fortan zwei Jahre lang Tausende Menschen aus dieser Region berichtet, sie hätten nachts gewisse Dreiecksgebilde umherschweben sehen. Ausgelöst wurde die Ufo-Welle von einem Lokalreporter, der in einem Polizeibericht von "fliegenden Objekten" gelesen hatte. Die Stimmung war ohnehin ufotisch aufgeladen: Wenige Wochen zuvor hatte die Nachrichtenagentur Tass allen Ernstes eine Landung Außerirdischer in Woronesch gemeldet, deutsche Journalisten leiteten die Information getreulich weiter. Ein Schneeballeffekt setzte ein, und bald richteten vor allem in Belgien Hunderttausende ihre Augen auf den Nachthimmel. Die meisten "Sichtungen", so der Fachterminus, wurden unterhalb von Luftverkehrsstraßen und in der Nähe von Militärflugplätzen registriert.

Höchstwahrscheinlich handelte es sich um vorschriftsmäßig betriebene Nachtlichter von experimentellen Ultraleichtflugzeugen, vom Auge zu massiven Dreiecken ergänzt. Auch die Fernsehredakteure hätten das in Erfahrung bringen können; ebenso wie das Geheimnis der kreisenden Himmelslichter, von denen ein Ehepaar dem Filmemacher berichtete. Derartige Erscheinungen sind bereits zigfach untersucht und stets auf Disco-Light-Shows zurückgeführt worden, deren Laserstrahlen unter bestimmten Wetterbedingungen an der Wolkendecke reflektiert werden.

Die Urlaubervideos vom August 1990 wiederum, die leuchtende Objekte am Ostseehimmel bei Rügen zeigten, lassen sich plausibel mit Nachtübungen erklären, die im Jargon der einstigen NVA "Operation Tannenbaum" hießen: Leuchtziele, vom Schiff aus hochgeschossen und hernach am Fallschirm herabschwebend. Für Einheimische ein gewohnter Anblick. Nach und nach verlöschen die Lämpchen, neue werden hinterhergeschickt. Lenkraketen suchen sie zu treffen – und da dem Auge des Nachts die Tiefenschärfe fehlt, rechnet es die Lichtsignale falsch zusammen und meldet blitzartige Flugbewegungen ans Hirn.

Werden rätselhafte Himmelserscheinungen bekannt, machen sich nicht nur die Ufologen an die Arbeit, sondern auch ihre Dämonen: die Ufo-Skeptiker. Das ist eine Gemeinde von Hobbyforschern, für die jede Ufo-Sichtung eine intellektuelle Herausforderung ist. Sie suchen Augenzeugen auf, sammeln Daten von Wetterämtern, Flughäfen, Sternwarten, fahnden nach Zusammenhängen, wie andere Menschen Kreuzworträtsel lösen.