Das Faszinierende an dieser Quellensammlung über deutsche Kriegsgefangene in Sowjetrußland aus der Zeit von 1917 bis 1920 ist nicht nur, daß hier in siebenjähriger Archivarbeit durch eine deutsch russische Redaktion ein bisher nur wenigen Fachleuten bekanntes Kapitel deutsch russischer Beziehungen auf eine wissenschaftlich hervorragende Grundlage gestellt wird, sondern auch, daß der noch ungebrochene Optimismus der Revolution, die ungetrübte Vision von einer friedlichen Welt nach vier Jahren eines furchtbaren Krieges in fast allen Dokumenten sichtbar wird. Die junge Sowjetmacht, die schon bald gegen die Interventen ums nackte Überleben kämpfen mußte, wollte die Kriegsgefangenen auf ihre Seite ziehen. Das gelang auch. Von den deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen war ein großer Teil - mit Ausnahme der Offiziere - von der Revolution begeistert. Etwa 5000 traten spontan in die Rote Armee ein.

Die Herausgeber haben die Dokumente chronologisch geordnet, was den Vorteil hat, daß man die Gesamtentwicklung zwischen 1917 und 1920 verfolgen kann. Ein großer Teil der Dokumente wurde ins Deutsche übersetzt, und jedes Dokument wird sorgfältig durch Anmerkungen erläutert. Leider haben die Herausgeber auf eine wissenschaftliche Einleitung verzichtet. Das wird damit begründet, daß die Edition in einer Umbruchsituation entstand und der Verlag K. G. Säur einsprang, nachdem ein Berliner Verlag kalte Füße bekommen hatte.

Mit der Wende wurden zahlreiche wissenschaftliche Projekte gestoppt oder ganz vernichtet. Daß das hier nicht geschah, muß man den deutschen und den russischen Herausgebern hoch anrechnen. Wolfgang Plat Deutsche Kriegsgefangene in Sowjetrußland. Herausgegeben von einem deutsch russischen Redaktionskollegium. Band l und 2; Verlag K. G. Säur, München 1994; 772 S, 480- DM