DIE ZEIT

Flieg & Schweig

Die Deutsche Lufthansa weigert sich, Salman Rushdie zu fliegen. Das Opfer der Mullahs bleibt draußen vor der Flugzeugtür, während man den iranischen Geschäftspartnern tagtäglich einen angenehmen Flug nach Deutschland wünscht, die Herren freundlich mit den Sicherheitsvorkehrungen an Bord vertraut macht.

Ein Weiser

Boris Jelzin ist immer noch für jede Überraschung gut. Erst hatte er den reformorientierten Finanzminister Dubinin gefeuert und durch einen Technokraten ersetzt.

Worte der Woche

„Ihre Botschaft heißt: zur Hölle mit euch. Zur Hölle mit Clinton, mit dem Kongreß, zur Hölle mit Washington, der Big-Brother-Regierung, zur Hölle mit den Steuern, mit den linken Eliten, mit den Müttern, die von der Sozialhilfe leben und so weiter.

Die starre Haltung der Generäle

Eine politische Lösung der Machtfrage in Algerien scheint nicht mehr in Sicht, der "nationale Dialog" ist auf absehbare Zeit gescheitert.

Nicht einmal in der Rechtspolitik können die Freien Demokraten zu einer Linie finden: Als der Graf aufstand...

Was heißt für die Rechts- und Innenpolitiker der FDP heute eigentlich noch liberal? Auf der Suche nach einer Antwort fallen ihnen erst einmal lauter altbekannte Schlagworte ein: Im Zweifel für die Freiheit; so wenig Staat wie nötig und so viel Freiheit wie möglich; nicht so ordnungsliebend wie die CDU und nicht so gleichheitsversessen wie die SPD; undogmatisch; kein Schubladendenken.

Wenn Kohl nicht im ersten Wahlgang gewählt würde: Recht knapp

Trotzdem: Ausschließen läßt sich nie alles. Kein Bundeskanzler hat je so viele Stimmen auf sich vereinigt, wie es der Sollstärke seiner Regierungsmehrheit entsprach (eine Ausnahme gab es bei Willy Brandts zweiter Wahl im Jahr 1972 – aber da war beim ersten Zählen nur ein Packen Nein-Stimmen auf den Ja-Haufen geraten).

Bonner Bühne: Einen Kopf kleiner

Nach Ansicht des früheren Bundestagspräsidenten Rainer Barzel sind die Koalitionsverhandlungen nämlich ein Schritt in die falsche politische Richtung.

Verstrahlt, verölt, vergiftet

Das ist der jüngste Eindruck aus der nordrussischen Krisenregion, übermittelt von Paul Horsman, Umweltschützer von Greenpeace, der zusammen mit russischen Wissenschaftlern in die Region Komi gereist ist.

Wer darf putzen?

BERLIN. – Merkwürdig, wie es der Innensenator versteht, seine SPD-Kollegen am Senatstisch zusammenzuschweißen: Diepgen hielt am Dienstag eine Vorlage von Dieter Heckelmann (CDU) an: Mit der Reinigung öffentlicher Gebäude – ausgenommen die sicherheitsrelevanten – sollen Privatfirmen beauftragt werden.

Manager und Märkte

Zeiss: Neuer Spitzenmann Siemens: Multimediale Allianz Mobilfunk: Trickreiches Geschenk

Markt-Report: Gebeutelte Warenhäuser

Die Marktteilnehmer an den deutschen Wertpapierbörsen sind nach wie vor hin- und hergerissen. Die anhaltenden Kurswechselbäder zehren an ihren Nerven und kosten wohl zuweilen auch Geld, falls man sein Wertpapierportefeuille lichten möchte oder muß.

Erpressungs-Police: Leichte Beute

Angst mag ein schlechter Ratgeber sein, als Geschäftsgrundlage taugt sie offenbar allemal. Deshalb bietet die Fireman’s Fund Insurance denjenigen Amerikanern, die schon gegen Taschendiebstahl, Sturmschäden, Beinbrüche und alle anderen möglichen Schicksalsschläge versichert sind, nun eine weitere Police an: Gegen Prämien ab tausend Dollar schützt die US-Tochter der Münchner Allianz Versicherung ihre Kundschaft in Zukunft vor den finanziellen Folgen von Erpressungen, Entführungen und Attentaten bis zur Höhe von dreißig Millionen Dollar.

Aids-Bericht: Böser Befund

Daß ein Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages mit einem einmütigen Votum abschließt, hat in der Geschichte parlamentarischer Untersuchungen Seltenheitswert.

Bonner Kulisse

Der Weg zum schlanken Staat ist zwar mit guten Vorsätzen gepflastert, die Einzelheiten der personellen Entschlackungskur sind allerdings verwirrend.

Polen: Die linke Regierung sucht weiter das Einvernehmen mit dem Währungsfonds. Aber die alte Bürokratie gewinnt wieder an Macht: Restauration in Samt

Die befürchtete Abkehr vom Pfad der ökonomischen Tugend blieb aus. Die strahlenden Sieger der polnischen Parlamentswahl vom September 1993, die nachkommunistische Sammelbewegung Allianz der Demokratischen Linken (SLD) und die gewendete Blockflöte, die Bauernpartei PSL unter Ministerpräsident Waldemar Pawlak, sahen schnell ein, daß sie den harten wirtschaftlichen Realitäten des Landes Rechnung tragen müssen.

Duell der Patrons

Premierminister Edouard Balladur führt weiterhin in den Umfragen. Gaullistenführer Jacques Chirac erklärt vorzeitig seine Kandidatur fürs Präsidentenamt.

Großbritannien: Premier John Major hat den Verkauf der Post abgeblasen – das Ende der Privatisierungswelle?: Rückzug in die Sackgasse

Margaret Thatcher brachte die Privatisierung in Mode, aber vor dem Verkauf der Post schreckte sie doch zurück. An der Royal Mail wollte die Expremierministerin sich nicht vergreifen, weniger aus Respekt vor der Krone auf den roten Briefkästen und dem Bild der Königin auf den Briefmarken, sondern aus politischem Kalkül: Sie wollte die gefühlsmäßige Bindung der Briten an diese nationale Institution einstweilen nicht strapazieren.

Rudolf Engen: Titel G

Immer wenn in Deutschland wieder eine neue Zeitschrift geplant wird, tauchen bei der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) Verlagsrepräsentanten auf, um das Titel- und Themenspektrum zu diskutieren.

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