DIE ZEIT

Weltmeister

Hätte sich das Ende dieser Dienstfahrt anderswo zugetragen, am Kerpener Kreuz beispielsweise, der Amtsrichter hätte später von einem Rambo am Steuer gesprochen: überhöhte Geschwindigkeit, rücksichtslose Verfolgung der Ideallinie.

Basta!

Nur schwach ist der Trost, daß Krisen noch keine Katastrophen sind. Während die Überschwemmungsfluten in der italienischen Poebene sinken und ökologisches wie menschliches Unglück hinterlassen, steht dem „Retter des Vaterlandes“ in Rom nach einem halben Regierungsjahr politisch das Wasser ziemlich hoch am Hals.

Alleingang

Die Vereinigten Staaten wollen sich an der Überwachung des Waffenembargos gegen Bosnien nicht mehr beteiligen. Der Beschluß gibt ein bedenkliches Signal: Washington setzt sich schnöde über Entschließungen des UN-Sicherheitsrates und des Nato-Rates hinweg.

Välkommen

Sie haben ihr Jawort gegeben, auch wenn es mit der Liebe nicht weit her ist. Bei der Zustimmung der Schweden zum EU-Beitritt siegte Räson über Gefühl.

Berlin und Bonn vom 9. bis zum 15. November: Wie sich die Volksvertreter aufs Regieren und Opponieren, Postenjagen und Weiterwursteln einrichten, erste Siege feiern, Niederlagen bejammern – ein Tagebuch: Wer bleibt, wer kommt, wer fliegt?

Die neue Saison beginnt in Berlin. Aber die Gedanken der Anreisenden kreisen um Bonn, um alte und um mögliche Mehrheiten. Hält die Kanzlermehrheit in der kommenden Woche? Übersteht die Koalition volle vier Jahre? Eröffnet sich am politischen Horizont eine schwarz-grüne Option? Ziemlich neue Themen nach bald zwölf Jahren Kohl.

Worte der Woche

„Ich plädiere dafür, daß die Debatte um die notwendigen Veränderungen in unserer Gesellschaft Sache einer großen, bisher noch nie dagewesenen Koalition werden muß, einer Koalition der Vernunft, die eine Koalition der Vernünftigen voraussetzt.

Zeitspiegel

Wjatscheslaw Kostikow, Jelzins getreuer Eckermann für Presse und Information, hat am vergangenen Freitag von seinem Chef erfahren, daß er sich einen anderen Job suchen kann.

„Waagscheißerle“? - Nein

DIE ZEIT: Frau Vollmer, Sie lieben das Stichwort „symbolische Grenzüberschreitung“..........................................

„Die Parteigrenze sprengen!“

DIE ZEIT: Herr Ministerpräsident, der Kanzler ist knapp wiedergewählt, das Regierungsprogramm der Koalition ist umfänglich und vage.

Delors’ politisches Credo: Der Pädagoge

Nein, um die Memoiren handle es sich dabei nicht. Doch das vergangene Woche erschienene Buch „L’unité d’un homme“ („Die Einheit eines Mannes“) von Jacques Delors sorgt in Frankreich für Furore.

Wolfgang Ebert: Das Loch

Bitte haben Sie keine Angst. Wir beißen nicht. Wir sind nur die Waigel-Finanzexperten. Dürfen wir näher treten?“ Der Mann, der ihnen geöffnet hatte, ließ sie herein.

Schlag ins Wasser

Einen heftigen Sturm hat die Nachricht entfacht, der Schriftsteller und PDS-Bundestagsabgeordnete Stefan Heym habe der Stasi zugearbeitet.

Verrostet

Diese Unfähigkeit zur Spontaneität und zu neuer Sicht, dieses Eingerostet-Sein in einmal befahrenen Gleisen sind typisch für den Bundestag.

Stimme der Würde

Drei Elemente bilden des Ostkindes archetypische Erinnerung an den Westen: Micky-Maus-Hefte, Kaba der Plantagentrank (mit Micky-Maus-Sammelbildern) und der Deutsche Bundestag.

Bonner Bühne: Fragen an den Feminismus

Prompt steht zur Debatte, was aus dem heiligsten Gut der Stadt, der Weiberfastnacht, werden soll. Oder, noch genauer, was geschieht, wenn an diesem Tag und ganz besonders in Bonn-Beuel die Frauen das Rathaus stürmen und die Männer entthronen.

Krokodile über dem Kaukasus

Einst ein Held. Ein Ordensträger des russischen Imperiums. Verdienter Freistilringer. Erster und letzter Tschetschene, der zum Sowjetgeneral aufstieg.

Herbstliches aus deutschen Zoos

Das rabenschwarze, plüschohrige Hengstfohlen Delly, jüngster Nachwuchs der Poitou-Riesenesel, hat inzwischen die Herzen der Zoobesucher erobert.

Bäume, Büsche und ein paar Steine

FRANKFURT AM MAIN. – Verstehe einer die Bauplaner: Da engagieren sie den berühmten Maler und Architekten Friedensreich Hundertwasser, um ihn eine Kindertagesstätte bauen zu lassen.

Undichte Stellen

Wir ahnten es schon lange, wagten aber nicht, es niederzuschreiben: Auch Theo Waigel, Helmut Kohl und auch der Wirt einer Bonner Pizzeria, ein gewisser Herr Pinocchio, haben ihr Geld in Luxemburg vor dem Fiskus in Sicherheit gebracht.

Der Kunde als Täter

Selbst Versicherungsmanager sprechen bei verdächtigen Feuerschäden nonchalant von „warmem Abbruch“ oder „heißer Sanierung“. Wer über Brandstifter redet, sagt Werner Breitfeld, Leiter eines Brandkommissariats der Berliner Kripo, „hat oft die Lacher auf seiner Seite“.

Manager und Märkte

Ford: Will General Motors überholen BMW: Neues Werk ohne Gewerkschafter Topmanager: Bessere Geschäfte in Sicht

FDP: Der Abgeordnete Paul K. Friedhoff kämpft gegen die Wirtschaftspolitiker seiner Partei: Attacke auf den Grafen

Der FDP-Abgeordnete Paul K. Friedhoff, seit 1990 im Deutschen Bundestag, redet gern Klartext. In einem Rundschreiben an seine Fraktionskollegen sagte er offen, was die meisten nur heimlich denken: „Graf Lambsdorff wird in vier Jahren im Wahlkampf nicht mehr zur Verfügung stehen, um in der Öffentlichkeit als personifizierte Wirtschaftspolitik der FDP mit glaubwürdiger Perspektive aufzutreten.

Solarenergie: Ökodumping bei den Energiepreisen und Interessenkollisionen in der Branche behindern den Fortschritt der sanften Alternative: Wann geht die Sonne auf?

Am hellen Vormittag ging in Möhringen die Sonne unter. Als Werner Pollmann, Umweltbevollmächtigter bei Daimler-Benz, im August den Umweltbericht des Konzerns der Öffentlichkeit präsentierte, schmetterte er die Frage, warum denn die Solarenergie in der Energiebilanz fehle, ganz einfach ab: Sie sei „längst noch nicht wirtschaftlich“.

Frankfurt und die Börse: Begierig

Stärken und Schwächen liegen am Finanzplatz Deutschland dicht beieinander. So besann sich die Deutsche Börse AG jüngst der Stärke Frankfurts als wichtigstes Wertpapier-Handelszentrum und reklamierte in internen Strategiethesen den lukrativen Handel mit Standardaktien und Bundesanleihen ganz für sich.

Bonner Kulisse

Pech für Bundesfinanzminister Theo Waigel: In den Gesprächen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden über den Abbau der Gewerbesteuer hat es keinen Konsens gegeben.

Zeiss/SEL und die Politik: Kurzsichtig

Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Dieter Spöri will gleich zweimal tief in die Landeskasse greifen: Er beabsichtigt nicht nur, den angeschlagenen Zeiss-Konzern finanziell zu unterstützen, sondern neuerdings auch noch das Unternehmen Alcatel-SEL.

Models und die Ökonomie: Lernfähig

Kartelle, das lernen die Studenten der Volkswirtschaftslehre schon im Grundstudium, sind von Übel. Tun sich die Anbieter eines Produktes oder eines Dienstes zusammen, um die Preise abzusprechen, droht der Anfang vom Ende der freien Marktwirtschaft.

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