Von Manfred Dworschak

Im Prinzip kann man den Computer vielleicht benutzen, aber im entscheidenden Moment weiß man den Trick nicht. Außer man hat beizeiten Computerzeitschriften gesammelt. Diese stecken voller Tricks und Abertricks, und die Leser in ihrer lieben Not danken es mit Nachfrage: Mehr als hundert verschiedene Titel halten sich hierzulande in den Verkaufsregalen. Die Gesamtauflage hat mittlerweile die dritte Million erreicht, und fast drei Viertel all dieser Hefte werden nach dem Lesen nicht weggeworfen, sondern vorsorglich archiviert, wie die Branche 1991 in ihrer ersten Leseranalyse ermittelt hat.

So warten also inzwischen Milliarden von Tips auf das Problem, das ihren Sinn beweist, und es werden immer mehr. Das Windows-Magazin rief, ehe es kürzlich einging, auf seiner letzten Titelseite noch einmal „333 1/3 Tips rund um Windows“ aus, eine neuerliche Unmasse, vor der dem gewöhnlichen Menschen himmelangst würde, nicht aber dem angepeilten User, denn ihm waren außerdem „Geheißen und Powertools inklusive“ verheißen und letztlich die Erfüllung selber: „Werden Sie Power-User!“

Selbst das bislang besonnene Magazin Chip hatte im Oktober plötzlich „geheime Tricks und Super-Tips“ balkendick auf dem Titel, und wahrscheinlich hat das damit zu tun, daß es seit Monaten ziemlich rumort auf dem Markt. Chip hat die jahrelang unangefochtene Spitzenposition räumen müssen. Zwar verkauft das Magazin aus dem Würzburger Vogel-Verlag nach einem vorübergehenden Einbruch mit jeder Ausgabe jetzt wieder 210 000 Exemplare, aber diverse Neulinge machen dem Veteranen zu schaffen: Die PC Welt (International Data Group) machte sich im dritten Quartal mit einer Auflage von 240 000 auf und davon, und die PC-Praxis (Data Becker Verlag) ist mit gut 200 000 Exemplaren bedenklich nahe gerückt.

Im vierten Quartal kann es schon wieder anders sein. Der Markt ist turbulent wie wohl kein anderer. Zwar werden insgesamt mehr und mehr Hefte verkauft, aber es sind der Titel zu viele, und die Sterblichkeit ist enorm. Allein fünfzig Zeitschriften sind in den letzten fünf Jahren verschwunden, während mindestens ebenso viele neu herauskamen.

Vor allem im Anzeigengeschäft treten sich alle auf die Füße. Hier gingen die Einnahmen der Branche im Voijahr um insgesamt zehn Prozent zurück; zufriedenstellend waren sie nie gewesen. Die zuständige Industrie, die inzwischen selber sparen muß, wirbt lieber, wo sie mit festen Größen kalkulieren kann: bei den bewährten Tageszeitungen und Publikumszeitschriften. Rund achtzig Prozent ihrer Werbeausgaben gehen Jahr für Jahr an der Fachpresse vorbei; da heißt es einteilen.

Der schwerreiche amerikanische Verlag Ziff-Davis hatte vor zweieinhalb Jahren die Branche aufgewühlt, als er mit drei neuen Zeitschriften auf den deutschen Markt gestampft war. Allein seine PC Professionell hatte gut zwanzig Millionen Mark Startkapital im Sack; das Magazin sollte ein bis dahin unerhörtes Prinzip durchsetzen. Es lautete: Systematisch durchtesten, was immer sich rührt, damit der Leser wisse, was er kaufen solle.