Von Wolfgang Köhler

Aristoteles Onassis wußte, wie man’s macht. Man dürfe dem Geld nicht nachlaufen, hatte der griechische Krösus sein Rezept zum Reichwerden erklärt, man müsse ihm entgegengehen. Viele Sparer halten sich nur nicht daran.

Die Beispiele dafür sind zahlreich. Als die Zeitungen im Frühjahr 1986 die fabelhafte Kursentwicklung der Börse mit einer Steigerung des Index um über sechzig Prozent feierten, überschütteten die Kleinanleger die Banken mit Kaufaufträgen für Aktien. Tagelang wurden damals im Frankfurter Bankenviertel Überstunden gemacht. An der Börse wurde die Handelszeit verlängert, um die Orderflut abzuarbeiten. Wenig später erreichte der Index einen historischen Höchststand, und danach gingen die Aktienkurse bis weit nach dem Oktober-Crash von 1987 nur noch abwärts.

Ein ähnliches Schauspiel war auch in diesem Jahr zu beobachten. Die Schlagzeilen über den außergewöhnlichen Börsenjahrgang 1993, in dem der Deutsche Aktienindex (Dax) mehr als 45 Prozent zulegte, trieb die Anleger in Scharen zu den Bankschaltern. Diesmal orderten sie Anteile an Aktienfonds. Mehr als zwölf Milliarden Mark, jubelte später die Investmentfonds-Branche, steckten ihre Kunden allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in die Risikopapiere. Doch seit Jahresbeginn sind die Aktienkurse im Durchschnitt gesunken. Und nun sind viele Fondskunden enttäuscht, weil ihr Vermögen geschrumpft ist, statt Gewinne abzuwerfen.

Enttäuschungen solcher Art sind unvermeidlich, wenn man dem Geld – hier: der Börsenentwicklung – hinterherläuft. Statt dessen gilt es, der uralten Börsenregel zu folgen: Kaufe billig, verkaufe teuer.

Doch diese simple Weisheit setzt voraus, daß der Anleger erkennt, wann ein Börsenpapier billig ist, und wann teuer. Und daran hapert es offenbar allzu häufig. "Die Masse der Investoren liegt immer falsch", schrieb der amerikanische Spekulant und Amateurpsychologe Fred C. Kelly nach seinen Erfahrungen an der New Yorker Börse nach dem großen Börsenkrach von 1929.

Hinter dem schlechten Umgang mit Geld verbirgt sich offenbar die mangelnde Bereitschaft, sich ernsthaft mit Fragen der Geldanlage auseinanderzusetzen. "Über Geld spricht man nicht, man hat es", sagen die, die genug davon haben. Andere empfinden den Mangel vielleicht als Problem. Dessen Lösung wird aber gern delegiert: Man fragt einen Bank- oder Versicherungsberater nach Vorschlägen oder erkundigt sich bei Verwandten oder Bekannten, wie diese in ähnlicher Situation gehandelt haben.