Von Werner A. Perger

Bonn

Zugegeben, wie eine "lahme Ente" wirkt er nicht. Aber auch nicht wie einer, der nun, in der letzten Runde, alle Reserven mobilisiert und energisch alles auf eine Karte setzt: jetzt-oder-nie.

Im Gegenteil. Kohl bleibt Kohl. Seine vierte Amtsperiode beginnt der 64jährige Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende so, als sollten weitere daran anschließen. Ein Kabinett ohne Experimente und mit kleinem Risiko, mehrfach quotenmäßig abgesichert nach Osten, gegenüber den Frauen und Nordrhein-Westfalen, dazu ein Koalitionsprogramm mit großen Worten und ohne Versprechungen: So läßt sich noch länger so weitermachen. "Er agiert", sagt einer seiner politischen Vertrauten, "als hätte er acht Jahre vor sich."

Er hat aber nur vier. Keines mehr, wenn es nach ihm geht. Aber auch keines weniger, wenn man die Lage im Bundestag bedenkt. Die knappe Mehrheit – vier Stimmen über der absoluten, von denen in der Kanzlerwahl zwei fehlten – verbietet einen vorgezogenen Wechsel des Regierungschefs ohne gleichzeitigen Wechsel der Koalition. Und die Bildung einer großen Koalition ohne vorherige Neuwahlen gilt als unwahrscheinlich. "Da ist Kohl davor". Heutzutage hat das etwas Endgültiges.

So ist das politische Ziel dieser letzten Amtszeit Helmut Kohls am Start klar definiert: das Jahr 1998 unbeschädigt erreichen, aufrecht über die Ziellinie gehen und dort den Führungsjob abgeben. Das Szenario, von dem kompetente Gesprächspartner in der CDU-Führung ausgehen, ist denn auch eindeutig. Der Kanzler und sein Kandidat bestreiten den nächsten Wahlkampf in vier Jahren Seit’ an Seit’, ein bißchen nach dem amerikanischen Vorbild des Jahres 1988: Damals hat Ronald Reagan aus dem Weißen Haus seinem Vize Bush in der Kampagne sekundiert. Mit Erfolg.

Warum sollte sich das nicht mit der Achse Kanzler-Fraktionsvorsitzender wiederholen lassen? Auch das steht, allen anderen Überlegungen zum Trotz, in dieser Projektion 98 längst fest: Kohls Wahlkampfpartner und Nachfolger wird kein anderer sein als Wolfgang Schäuble. "Er ist Kohls designatus". Nur Schäuble selbst könne, so heißt es, das Konzept zerstören. "Wenn er sagt, er kann es nicht, muß der Kanzler neu überlegen."