Mitte kommenden Jahres wird die Bahncard zusätzlich zur Kreditkarte. Dann können DB-Reisende ihre Fahrscheine mit der Halbpreiskarte auch lösen.

Die Deutsche Bahn AG wird mit der Citibank und Visa zusammenarbeiten, um ihre Bahncard in eine Kreditkarte umzuwandeln. Der DB-Vorstand beschloß, die Kombikarte spätestens von Mitte 1995 an zu verkaufen.

Die Bahncard, mit der man ein Jahr lang zum halben Preis fahren kann, wird künftig von der Citibank mit dem Bild des Reisenden versehen, um Mißbrauch zu verhindern. Die Plastikausweise sollen, abhängig von der Bonität des Kunden, in drei Versionen vertrieben werden: als normale Kreditkarte mit Zahlungs- und Kreditfunktion, als Cash-Karte ohne Kreditlinie und als reine Berechtigungskarte zum ermäßigten Bahnfahren für minderjährige DB-Kunden.

Der Clou der neuen Bahncard: Ihre Besitzer müssen keine Jahresgebühr für den bargeldlosen Service bezahlen. Die Bahncard „Plus“ soll auch in Zukunft nur 220 Mark in der zweiten und 440 Mark in der ersten Klasse kosten.

Die Möglichkeit, sich an die Plastikkarte der DB zu hängen, ist für die Kreditkartenanbieter trotzdem ein lukratives Geschäft. Der Gewinn ergibt sich aus den Provisionen der dem Visa-Verbund angeschlossenen Unternehmen. Geschäfte und Restaurants zum Beispiel zahlen in der Regel zwei Prozent von der Einkaufssumme. Hinzu kommen bankübliche Zinsen, wenn der Kunde einen Kredit in Anspruch nimmt. Mit dem sogenannten „Co-branding“ wird Visa seine Position auf dem deutschen Kreditkartenmarkt erheblich verbessern. Das Unternehmen – mit bislang 2,5 Millionen deutscher Kunden heute – könnte dadurch zum Branchenführer Eurocard aufrücken.

Auch die DB erhofft sich von der Zusammenarbeit mit Citibank und Visa eine größere Kundenbindung und einen sprunghaften Anstieg des Bahncard-Verkaufs. Sie rechnet damit, daß sie in den nächsten Jahren etwa fünf Millionen Bahncards verkaufen kann – eine Umsatzsteigerung von über sechzig Prozent im Vergleich zu heute.

Damit nicht genug. Die DB verfolgt mit der Kombikarte weitergehende Ziele. „Wir wollen vom Bargeldgeschäft runter“, sagt Renate Preising, Sprecherin der Bahn AG. Mit Hilfe von Automaten will die Bahn den Fahrkartenverkauf ohne Bargeld ankurbeln. Bislang kann man Fahrscheine mit der Kreditkarte nur an Bahnschaltern und in Reisebüros kaufen.

Im kommenden April werden „Mobile Terminals“ eingeführt. Die tragbaren Minicomputer für den Ticketverkauf im Zug können nicht nur Billetts ausdrucken, sondern auch Kreditkarten lesen. Allerdings wird die Bahn diese Zahlungsform erst zu einem späteren Zeitpunkt einführen, weil sie befürchtet, daß dann noch mehr Kunden als bisher ihre Tickets im Zug erwerben.

Aus diesem Grund hält sie auch künftig am Obulus für das Nachlösen im Zug fest. Obwohl es dafür bald keinen plausiblen Grund mehr gibt; denn die schnellen Terminals erledigen das Verkaufsgeschäft – mit geringem Mehraufwand – in wenigen Sekunden. Ralf Frädtke