Mit neuen Richtlinien will die Europäische Union die Sicherheit auf See erhöhen. Unter anderem legen sie folgendes fest:

  • Mindestausbildung: Die Qualifikation der Seeleute soll verbessert werden. Achtzig Prozent der Schiffsunglücke sind auf menschliches Versagen zurückzuführen. Forderungen des Europaparlaments nach einer gemeinsamen Bordsprache wurden jedoch verwässert. Die Richtlinie verlangt nur „eine wirksame mündliche Verständigung betreffend die Sicherheit“.
  • Schiffsüberprüfung und -besichtigung: Für die vom Staat beauftragten Klassifikationsgesellschaften, eine Art Schiffs-TÜV, gelten in Zukunft einheitliche Anforderungen. Gewerkschaften kritisieren den privatwirtschaftlichen Charakter dieser miteinander konkurrierenden Gesellschaften.
  • Hafenstaatkontrollen: Diese bereits existierenden Schiffsbesichtigungen in den Häfen der Union sollen intensiviert und vereinheitlicht werden. Besonders für Fahrgastschiffe sieht die Richtlinie eine „verstärkte Kontrolle“ vor.

Der Rat regt in einer Resolution an, daß Roll-on-Roll-off-Fähren in europäischen Gewässern regelmäßig inspiziert werden sollen. Das Bau- und Ausrüstungskonzept von Ro-Ro-Fähren sowie die Evakuierungssysteme soll die Schiffahrtsorganisation der Vereinigten Nationen (IMO) grundlegend überprüfen.

  • Mit der auf 1996 vorgezogenen Einführung des Internationalen Sicherheits-Mangagement-Codes (ISM) sind Reeder künftig für einen sicherheitsorientierten Ablauf an Bord und im Reedereibetrieb verantwortlich.
  • Die Kommission erhält den Auftrag, die Auswirkungen des kommerziellen Wettbewerbs auf die Sicherheit im Fährverkehr zu untersuchen. Außerdem muß die Kommission prüfen, ob bei schlechtem Wetter Auslaufverbote ausgesprochen werden sollten.
  • Fähren sollen mit Fahrtenschreibern ausgerüstet werden, um nach einer Havarie die Ursachen besser klären zu können.
  • Passagier- und Besatzungslisten sollen zur Regel werden, wenn eine Fähre länger als sechs Stunden unterwegs ist.