In unserer kleinen, gleichwohl meinungsfrohen und faktensatten Serie "Die deutschen Parteien" nehmen wir heute jenes politische Gebilde in Augenschein, das sich Christlich Demokratische beziehungsweise Christlich Soziale Union Deutschlands nennt.

Zwei Meldungen aus einer Woche. Erstens: In die Schlagzeilen geriet Frau Claudia Nolte (28, CDU-Ost), weil sie das sonst schon recht altersmürbe Kabinett Helmut Kohls mit ihrer mädchenhaften Jugend und ihren herzerfrischend unbefangenen Ansichten beflügeln soll.

Die schönsten Nachrichten hierbei erzählten von Frau Noltes unerschrockenem Kampf für das ungeborene Leben, bei welchem sie sogar vor pfiffigen Ideen nicht zurückschreckt: Frauen, die abgetrieben haben, sollten "zur Wiedergutmachung" ein Jahr im Krankenhaus arbeiten. Die christliche Partei ist also, allen bedrohlichen Linkstendenzen (Friedbert Pflüger!) in ihren Reihen zum Trotz, noch immer die Partei, die einzige Partei der Moral.

Wunderbarerweise ist sie genauso unbeirrt die Partei der Doppelmoral. Womit wir bei der zweiten christlichen Frauenmeldung der letzten Tage wären. Frau Dagmar Wöhrl (40, CSU-Süd) ist in die Schlagzeilen geraten, weil sie einst in ihrer Spätpubertät an einem "Erotik-Streifen" mit dem gewiß zutreffenden Titel "Die Stoßburg" als Laiendarstellerin teilgenommen hat, gottlob in einer Nebenrolle, leider aber nackt.

Was fällt uns hierzu Druckreifes ein? Leider wenig. Der linke Spießer in uns möchte sich natürlich gleich wieder kritisch erregen über die abgrundtiefe Verlogenheit der politisierenden Christenmenschen. Wie sie einerseits die Moral hochhalten – und andererseits die Hosen fallen lassen. Wie sie lauthals für die Saubere Leinwand kämpfen und in der Stille emsig pornographieren. Ein altes Lied, ein alter Hut. Gleich werden wir bei Franz Josef Strauß sein und seinem New Yorker Hurenhandgemenge, etwas später dann bei den unvermeidlichen Päpsten (wir sagen nur "Borgia"!), von denen manch einer für seine Schäfchen weniger ein treuer Hirte und Seelsorger gewesen ist als ein rechter Pontifick Maximus und Halsabschneider obendrein.

Aber lassen wir das! Genießen wir lieber, in Gestalt der Damen Nolte und Wöhrl, die ganze Bandbreite christlicher Politik.

Freuen wir uns, daß Claudia Nolte mit Ernst Nolte derzeit offenbar weder verwandt noch verschwägert ist, Kämpfen wir, an der Seite der schönen Frau Wöhrl, unerschrocken für die Rechte des unbekleideten Lebens. Und legen wir den Frauen, die abgetrieben haben, eine freudigere Buße auf als die zehrende Arbeit im Krankenhaus.

Wer abgetrieben hat, dies unser Exklusiv-Vorschlag, möge "zur Wiedergutmachung" ein Jahr in der deutschen oder besser noch in der bayerischen Filmindustrie kreativ mitarbeiten. Es gibt so viele Filme, auf die der deutsche Mann und Christ wartet und einen moralischen Anspruch hat. Zum Beispiel: "Die Stoßburg, zweiter bis zehnter Teil". Finis