ZEIT: In seinem neuen Urteil gibt der Bundessgerichtshof Caroline von Monaco gegen die Bunte endgültig Recht. Dabei schlagen Sie für die Art des Schmerzensgeldes auch neue Töne an: Caroline von Monaco soll mehr Geld bekommen als die 30 000 Mark, die ihr das Oberlandesgericht Hamburg bereits zugesprochen hat. Wer besonders grob Persönlichkeitsrechte verletzt, wird künftig also kräftiger zur Kasse gebeten. Wollen Sie die Journalisten schärfer an die Kandare nehmen?

Steffen: Lieber wäre uns, die Journalisten würden sich selber an die Kandare nehmen. Denn der Schutz der Persönlichkeit vor den Medien ist eher eine Sache der Medien-Kultur als der Gerichte. Wenn das nicht klappt, soll aber künftig Schmerzensgeld ruhig ein bißchen schmerzhaft sein – dann nämlich, wenn Journalisten vorsätzlich die Person gegen ihren Willen vermarkten.

ZEIT: ... also höhere Hemmschwellen gegen einen unbekümmerten Umgang mit Persönlichkeitsrechten?

Steffen: Ja, obwohl es nicht Sache des Zivilrichters ist, zu strafen. Aber der Schutz der Persönlichkeit verlangt in solchen Fällen ein rotes Warnlicht für den Verleger, wenn Sie so wollen, die ‚rote‘ Karte Keine volle Gewinnabschöpfung, aber die Aufstockung der bisherigen Schmerzensgelder als Gegengewicht zu einem allzu unbekümmerten Gewinnstreben.

ZEIT: Einen solchen Denkzettel hat es ja bislang in unserem Recht nicht gegeben. Haben Sie da ein bißchen hinüber ins Ausland geschaut, etwa nach Amerika, wo es in solchen Fällen ja Sanktionen gibt, bei denen deutsche Verleger eine Gänsehaut kriegen?

Steffen: Amerikanische Verhältnisse, also Sanktionen, die in die Richtung einer Million gehen, wird es bei uns auch in Zukunft nicht geben. Davor schützt die Pressefreiheit. Aber das Schmerzensgeld muß spürbar sein, damit ein Verleger es nicht aus der Westentasche bezahlen kann.

ZEIT: Haben Sie bei Ihrer Entscheidung auch ein bißchen auf die Kritik gehört, die der Rechtsprechung derzeit entgegenweht: Der Ehrenschutz werde vernachlässigt, so heißt es ja bisweilen?