Von Theo Sommer

Seit dem Zerfall der Sowjetunion verkünden die Amerikaner stolz, die Vereinigten Staaten seien die einzige noch übrige Supermacht. Aber jetzt sind sie dabei, sich das Attribut "super" abzuschminken. Nach dem Erdrutsch der Kongreßwahlen, der den Republikanern zum ersten Mal nach vierzig Jahren die Mehrheit in beiden Häusern beschert hat, zieht Amerika in der Weltpolitik den Kopf ein.

Welch ein Wandel binnen fünf Jahren! Der Triumph des Westens im Kalten Krieg schien ja zunächst eine neue Weltordnung heraufzuführen, in der Washington die Rolle der obersten Ordnungsmacht zufiel; an Saddam Hussein statuierte Präsident Bush ein erstes Exempel. Aber dann züngelten rund um den Globus so viele Flammen auf, daß den Amerikanern bange wurde.

Der weltpolitische "Multilateralismus", den Bushs Nachfolger proklamierte, geriet am Potomac rasch wieder aus der Mode. Bill Clinton zögerte und verzögerte, und wo er doch handelte, wie in Kuwait und Haiti, diente ihm der UN-Sicherheitsrat eher als wohlfeiles Aushängeschild für rein amerikanische Unternehmungen denn als Vehikel internationaler Gemeinsamkeit. Unilateralismus – einseitiges Handeln – wurde Trumpf; er bestimmte auch das in Europa vielbeklagte Ausscheren Amerikas aus der Adria-Patrouille. Und er droht nun in einen neuen Isolationismus umzuschlagen.

Was sich in Washington derzeit vollzieht, ist nichts anderes als ein Stück Restauration. Die Allianz von Main Street und Wall Street hat Politiker in die Entscheidungspositionen des Kongresses gehievt, deren Instinkte national geprägt sind, nicht international: Newt Gingrich zumal, den neuen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, und Jesse Helms, den künftigen Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Senat. Sie werden Clinton die Hölle heiß machen.

Zwar liegt die außenpolitische Initiative nach der Verfassung beim Präsidenten, doch für Verträge wie für alles, was Geld kostet, braucht er die Zustimmung des Kongresses. Außer Reisen und Reden bleibt dem Mann im Weißen Haus da nicht viel übrig, so gern er sich auch aus dem Gestrüpp der Innenpolitik ins freie Feld der auswärtigen Beziehungen flüchten würde. "Nach den Halbzeitwahlen", befindet in aller Nüchternheit das US-Nachrichtenmagazin Newsweek, "wird Clinton wohl erleben, wie seine außenpolitischen Befugnisse Stückchen für Stückchen abgetragen werden."

Nach dem Zweiten Weltkrieg begründete der republikanische Senator Vandenberg jene bipartisanship genannte parteiübergreifende Außenpolitik, mit der die westliche Vormacht und alle, die auf sie angewiesen waren, vier Jahrzehnte lang gut gefahren sind. "Die Parteilichkeit muß an Amerikas Gestaden aufhören", war Vandenbergs Devise. Seine Nachfolger denken ganz anders.