Von Jochen Buchsteiner

Jakarta

Da stehen sie, achtzehn Staatsmänner in Batikhemden, und winken. Ein Photo, das um die Welt ging; um die halbe Welt. Der japanische Regierungschef Murayama ist zu sehen, Chinas Staatspräsident Jiang Zemin und Bill Clinton. Winken sie Europa zu? Und wenn schon. In Europa sieht es keiner.

In Indonesiens Hauptstadt Jakarta trafen sie sich, die achtzehn Staatsmänner: aus China, Japan und Taiwan, aus Hongkong, den sechs Asean-Staaten Brunei, Singapur, Malaysia, Thailand, Philippinen und natürlich Indonesien, aus Australien, Neuseeland und Papua-Neuguinea sowie aus Amerika, Kanada, Mexiko und Chile. Gemeinsam nennen sie sich Asiatisch-pazifisches Wirtschaftsforum, kurz Apec. Das war am 15. November, und an jenem Tag beschlossen sie auch, bis zum Jahr 2020 die größte Freihandelszone der Welt zu schaffen. Das ist noch eine lange Zeit, und die Probleme, die nun anstehen, sind ungefähr so groß wie der Unterschied zwischen den Volkswirtschaften von Japan und Papua-Neuguinea. Dennoch: Am anderen Ende der Welt bewegt sich etwas; und es bewegt sich etwas ohne Europa.

Viertausend Journalisten waren nach Jakarta gekommen; vielleicht ein Dutzend von ihnen aus Europa. Achtzehn Staaten, die die halbe Weltbevölkerung und die halbe Weltproduktion repräsentieren, tagten miteinander; die EU erhielt nicht einmal den beantragten Beobachterstatus. Präsent war die Alte Welt nur in Gestalt der großen Limousinen aus dem Hause Daimler-Benz, mit denen die Gipfelteilnehmer durch Jakarta kreuzten.

Nirgendwo ist Europa so weit entfernt wie in Asien. Man kann das Asian Wall Street Journal aufschlagen und im Ressort "International News" vergeblich nach einer Meldung aus der Alten Welt suchen. Man kann über die achtspurigen Straßen fahren, die die Zehn-Millionen-Metropole Jakarta, verschneiden, ohne ein Auto aus Europa zu sehen. Es gibt keine Werbung, keine Konsumartikel, keine Hochhäuser mit europäischen Firmennamen.

Asien boomt, und mit ihm florieren die Geschäfte Japans und Amerikas. Der amerikanische Ökonom C. Fred Bergsten, Spiritus rector der Apec-Bewegung, rief in der International Herald Tribune die Zeitenwende aus: "Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konzentrierte sich die Welt auf Europa und den Atlantik. Nach dem Ende des Kalten Krieges wendet sich die Aufmerksamkeit Asien und dem Pazifik zu."