Von Gunter Hofmann

Bonn

Parteien haben ein Innenleben. Journalisten berichten darüber. Das Interesse an solchen Einblicken hält sich in Grenzen, was man gut verstehen kann. Das Innenleben würde aber anders aussehen, würde darüber nicht geschrieben.

Diesen Vorspruch muß man machen, wenn man hinter das Geheimnis des Streits in der SPD über eine Lächerlichkeit kommen will, nämlich über den Vorsitz im Vermittlungsausschuß (drei Monate besetzt ihn der Bundestag, drei der Bundesrat). Von einem "neuen Machtkampf" zwischen Rudolf Scharping und Gerhard Schröder ist bereits die Rede. Das "Aus für die Troika" (Spiegel) kündige sich an.

Die folgende kleine Geschichte handelt von dem ganz normalen Innenleben der SPD. Wahr ist, daß es in dieser Partei nur eine Troika gab: Willy Brandt, Herbert Wehner und Helmut Schmidt. Und dann gab es noch ein Plakat in den letzten sechs Wochen des Wahlkampfes, mit Scharping in der Mitte, umrahmt von Oskar Lafontaine und Schröder. Das sollte von der Geburtsstunde einer neuen Troika künden. So wurde es dargestellt, so haben wir allesamt darüber geschrieben.

Mit der Präsentation der drei sollte eine Wahlkatastrophe verhindert werden. Allerdings entdeckte Gerhard Schröder auch den Silberstreif einer Großen Koalition am Horizont, in der er sich einen Spitzenplatz vorstellen konnte. Nach der Wahl, nahmen sich die drei vor, wollten sie weiterhin kooperieren. Mehr Troika war nicht.

Das wird heute wieder sichtbar. Die Eigeninteressen setzen sich durch. Den Vorsitz im Vermittlungsausschuß sollte nach Scharpings Vorstellung zunächst Hamburgs Bürgermeister Voscherau übernehmen. So hatte Johannes Rau es angeregt. Schröder zeigte sich einverstanden, überlegte sich später die Sache aber wieder. Er wollte plötzlich doch diesen Posten. Auch Bremens Klaus Wedemeier meldete Interesse an. Dabei weiß jeder Eingeweihte, daß der Ausschuß zwar stärker zum Ort der letzten Entscheidung wird, der Vorsitzende aber damit keine Nebenkanzlerschaft erwirbt, sondern Randfigur bleibt. Schon bisher war es so, daß die wirklichen Kompromisse sogar noch abseits dieses uneinsehbaren Gremiums gesucht wurden, in den vergangenen Jahren meist in Vier-Augen-Gesprächen zwischen Theo Waigel und Oskar Lafontaine beispielsweise.