Da war ein Pianist mit einer Vision: Ein ganzes Land soll Musik hören, von Stars und neuen Talenten – in Herrenhäusern, Scheunen und Kirchen. Justus Frantz’ erste Saison profitierte von der Anwesenheit eines enthusiasmierten Leonard Bernstein, vor allem vom Musikhunger eines ganzen Landes. Die neunte Saison dann zehrte von der Aura des Damals, fand sich ab mit der Normalität des Überall und mußte das überzogene Selbstbewußtsein des zum Dirigenten sich berufenden Intendanten verkraften.

Da war eine Landesregierung, die schnell merkte, wie sehr das zunächst für häßlich gehaltene Blümchen doch ganz ungemein putzte; die aber bald schon – statt immer nur den Kunst-Dünger zu bezahlen – lieber selber bestimmt hätte, welche Orchideen gezüchtet werden, nicht wissend freilich, daß sie allenfalls vom Erbsenzählen etwas verstand.

Der Künstler und die Bürokratie, der überbordende, auch sich selbst nicht vergessende Enthusiasmus und der Stimmen allenfalls von der Wahlurne her kennende Kleingeist – sie konnten in Schleswig-Holstein zueinander nicht mehr kommen. Die Künstler und die Zuhörer sind die Opfer dieses Scheidungsfinales. H.J.H.