Leider kann ich die Erfordernisse einer echten Generationen Debatte mit meiner augenblicklichen Verwirrung kaum in Einklang bringen. Es fehlt ja nicht an Formeln, aber es fehlt an Kraft für ein richtiges Als ob. Denn um ein solches handelt es sich aus meiner Sicht. Oder gibt es irgendeinen historischen Abgrund zwischen den paar namentlich gewordenen Kontrahenten? Der Riß zwischen Alt und Jung ist eine biologische, der zwischen links und rechts eine politromantische Konstante. Interessant wird es, wo Worte gegen Bilder kämpfen, Vernunftgründe gegen körperliche Erfahrungen. Den jüngsten Periodisierungen kann ich gerade deshalb so schwer folgen, weil sie so schwammig sind wie der Papierbrei, aus dem nach Entwässerung die täglichen Zeitungsbögen entstehen.

Denkt man den anstehenden Konflikt pathologisch, so nimmt das Symptom 68 sich gegen die großen Geißeln der Menschheit wie ein Heuschnupfen aus. Von der sexuellen Revolution ist nur ein beschleunigter Umgang mit Argumenten geblieben (ein sophistischer Vorsprung, der mittlerweile aufgebraucht ist), und dagegen richtet sich nun der Spott der Nachdrängenden, ihr aktuWenn aber die Posten gewechselt sind, und es fehlt an Munition nun, dann wird man sich vielleicht wieder den Kunstwerken zuwenden oder dem munteren Treiben auf allen Wissenschaftsgebieten oder in den wirklichen Krisenregionen der Welt. Ich sehe jedenfalls keinen Grund dafür, daß das Meinen über eine vermeintlich falsche Meinung wohlmeinend sich auf dem Papier stauen soll "Distracted by distraction from diSchweigen in dieser Sache, meine Neugier auf alles andere. Durs Grünbein