Mit Blick auf das nahende Jahresende haben sich sowohl die inländischen institutionellen Anleger wie auch die privaten Wertpapierkunden der Kreditinstitute weitgehend vom Aktien- und Rentengeschäft zurückgezogen. Von dieser Seite kommen somit derzeit kaum noch Kauf- oder Verkaufsaufträge an die Börse.

Es ist üblich, daß in solchen Situationen die Märkte zur Schwäche neigen. Besonders dann, wenn ausländische Investmentbanken – wie zu Beginn der Woche – ihre deutschen Portefeuilles verringern. Angeblich hat ein namhaftes New Yorker Brokerhaus die Gewinnschätzungen für deutsche Aktien deutlich zurückgenommen und dabei entdeckt, daß deren Kurse im internationalen Vergleich zu hoch sind. Wenn gleichzeitig Optionsscheine auslaufen und ihre Emittenten Interesse an niedrigeren Aktienkursen haben, liegt es auf der Hand, daß Schwächeerscheinungen das Börsenbild bestimmen.

Unter diesen Umständen sind die Hoffnungen auf eine Jahresschlußrallye natürlich gesunken. Sehr zum Leidwesen der professionellen Vermögensverwalter, die gern zum Jahresultimo passable Anlageergebnisse vorweisen würden. Andere Investoren sind erst im Januar an festen Kursen interessiert, weil dann der Vermögensteuertermin vorüber ist.

Erfreulicher als die Aktien haben sich in jüngster Zeit die deutschen festverzinslichen Papiere entwickelt. Mit der deutlichen Erhöhung des amerikanischen Diskontsatzes um 0,75 Prozent hat die dortige Notenbank zunächst einmal für längere Zeit Klarheit an den amerikanischen Zinsmärkten geschaffen, deren Sätze neuerdings für Anleger interessant geworden sind. So wollen Experten Tauschoperationen von Aktien in Bonds beobachtet haben:

Die Renditen am deutschen Rentenmarkt haben sich etwas zurückgebildet. Wer allerdings geglaubt hat, der stabile Rentenmarkt würde den Bankaktien zugute kommen, ist bisher enttäuscht worden. Das gleiche gilt für jene Experten und Anleger, die als Folge des festeren Dollar mit festeren Notierungen von Aktien exportintensiver Unternehmen gerechnet haben. Trotz der wachsenden Autoproduktion gerieten Autoaktien ebenso unter Druck wie die stark dollarabhängigen Werte der Großchemie. K.W.