Von Udo Perina

Seit Jahren schon grassiert in Deutschland die Angst um die Renten. Mit dem angeblich drohenden Zusammenbruch des Rentensystems begründen Politiker wie der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und Wirtschaftsminister Günter Rexrodt ihre Forderungen nach einem radikalen Umbau des Sozialstaates. Mit dem Blick auf künftig magerere Renten werben Banken und Versicherungen für Sparpläne und Policen zum Zwecke der privaten Alters Vorsorge. Viele Bürger sind verunsichert und haben das Vertrauen in ihre Alterssicherung verloren.

Besonnene Sozialpolitiker warnen angesichts dieser Ängste immer wieder vor Panikmache. Sie können sich jetzt erneut bestätigt sehen – durch ein Gutachten des Basler Prognos-Instituts im Auftrag des Verbandes deutscher Rentenversicherungsträger (VDR). Dessen Ergebnis ist eindeutig: Die gesetzliche Rentenversicherung muß in den kommenden Jahrzehnten zwar mit erheblichen Finanzproblemen rechnen. Aber die sind durchaus zu bewältigen, vorausgesetzt allerdings, die Wirtschaft wächst nicht unterdurchschnittlich und der absehbare Reformbedarf wird nicht verschlafen.

Grund für die erwarteten Finanzprobleme ist auch die veränderte Altersstruktur, also der wachsende Anteil der Rentner an der Gesamtbevölkerung. Allerdings richtet die Umkehrung der Alterspyramide im Rentensystem weit weniger Schaden an, als die Schwarzmaler unterstellen. Weder zwingt sie zu einer Explosion der Beiträge noch zu einer drastischen Kürzung der Renten selbst. Die wirklichen Risiken für die Sicherheit der Altersversorgung liegen ganz woanders: in der Entwicklung des Arbeitsmarkts und in der Überfrachtung der Rentenkassen mit versicherungsfremden Leistungen.

Das beste Rezept, um einer Rentenkrise vorzubeugen, ist deshalb eine Wirtschaftspolitik, die zu neuen Arbeitsplätzen führt. Nicht auf die Zahl der Jungen im Verhältnis zu den Alten kommt es bei der Zukunft der Renten an, sondern auf die Zahl der Beitragszahler. Tatsächlich könnte es für die Altersversorgung dann kritisch werden, wenn die Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahrzehnten nicht deutlich zurückgehen sollte.

Die Einnahmen der Rentenkasse wurden Mitte der fünfziger Jahre in der Hoffnung auf immerwährende Vollbeschäftigung fest an die Arbeitsplätze gekoppelt: Die Beiträge der Arbeitnehmer gehen über ein Umlageverfahren direkt an die Rentner von heute. Solange es Arbeitslosigkeit gibt, ist es dabei sekundär, wieviel Zwanzig- bis Sechzigjährige der jeweiligen Rentnergeneration gegenüberstehen, entscheidend ist, wie viele von ihnen eine bezahlte Arbeit haben.

Bereits heute führt die Beschäftigungskrise zu höheren Rentenbeiträgen. Wer einen Arbeitsplatz hat, muß den Generationenvertrag auch für seine arbeitssuchenden Kollegen miterfüllen – für sie führt das Arbeitsamt nur einen kleinen Beitrag an die Rentenkasse ab. Zwei Millionen Arbeitslose bedeuten, daß rein rechnerisch vierzehn Milliarden Mark auf die versicherungspflichtigen Beschäftigten umgelegt werden müssen. Diese Summe entspricht mehr als einem Beitragspunkt in der Rentenversicherung.