Von Klaus-Peter Schmid

Alfred Evers, Bürgermeister der ostbelgischen Stadt Eupen, ist in Sorge um "unsere herzlichen deutsch-belgischen Beziehungen". Über "Schattenspiele mit dubiosem Geld und radikalem völkischen Hintergrund" klagte er in einem Brief vom 8. November an Außenminister Klaus Kinkel. Ein kleiner Bonner Beamter habe "Außenpolitik auf eigene Faust betrieben", und das dürfe doch nicht ohne Folgen bleiben.

In Harnisch gebracht haben den Bürgermeister aus dem deutschsprachigen Landesteil die Umtriebe der Düsseldorfer Hermann-Niermann-Stiftung. Die betreibt offiziell die "ideelle und materielle Förderung der Völkerverständigung durch die Unterstützung der kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Belange ethnischer Minderheiten und Volksgruppen in Europa". Im österreichischen Rechtsaußen-Organ Die Aula las sich das allerdings deutlicher: Der Stiftung gehe es darum, "bedrohtes Volkstum zu schützen und den ethnischen Minderheiten dabei zu helfen, ihre biologische und kulturelle Existenz zu bewahren", schließlich sei "das deutsche Volkstum im Westen, Süden und Osten gefährlichen Bedrohungen ausgesetzt".

Gezeichnet ist dieser Text von Friedrich-August Freiherr von der Heydte, im vergangenen Sommer verstorbener Juraprofessor und notorischer Rechtsausleger, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Vorsitzender des Stiftungskuratoriums. Stifter Niermann hatte sich bei der Gründung 1977 mit Kuratoren umgeben, die überwiegend aus der stramm rechten Ecke kamen, Leuten wie dem in Düsseldorf tätigen österreichischen Arzt Erhard Hartung, Mitglied im "Befreiungsausschuß für Südtirol", oder Gernot Mörig, ehemals Bundesführer des rechtsextremistischen Bundes Heimattreuer Jugend, auch Herwig Nachtmann, Geschäftsführer des Grazer Aula-Verlages, der in seinen Publikationen nicht vor antisemitischen Tönen zurückschreckt.

Die Fäden allerdings zog einer, der in der Stiftung gar kein Amt hatte: Norbert Burger, von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Schnoor als "Nazi und Bomben-Burger aus Tirol" apostrophiert. Der Freund, Berater und Pfleger Niermanns unterstützte in den sechziger Jahren Terroranschläge in Südtirol und begründete die österreichische Neonazi-Partei NDP. Offiziell wurde er zwar Mitte 1986 kaltgestellt, doch über Seilschaften versuchte er noch einige Jahre, Einfluß auf die Stiftung zu nehmen.

Angesichts undurchsichtiger Finanzen (die Gemeinnützigkeit war der Stiftung aberkannt worden) ordnete das Innenministerium in Düsseldorf 1987 eine Durchleuchtung an. Der als Sachwalter bestellte Rechtsanwalt Günter Tondorf förderte haarsträubende Unregelmäßigkeiten zutage. Hermann und seinen Freunden war vor allem daran gelegen, Gelder nicht den ausgewiesenen Empfängern zukommen zu lassen, sondern sie an – oftmals obskure – nationalistische Gruppierungen umzuleiten.

Im Juni 1987 bekam der Stiftungsvorstand einen neuen Vorsitzenden: Uwe Stiemke, im damaligen Bonner Ministerium für Innerdeutsche Beziehungen mit Minderheitsfragen befaßt. Stiemke, Sozialdemokrat, sollte mit den rechtswidrigen Zahlungspraktiken aufräumen und die politische Schlagseite korrigieren. Er holte sich den Belgier Lorenz Paasch als Geschäftsführer und begann damit, die Rechtsextremisten aus dem Kuratorium zu entfernen. Mehrere Vertreter der alten Garde saßen darin allerdings noch bis März 1990.