Wären alle Beleidigungen justitiabel, die Wolf Biermann zu Beginn der Woche ausstreute, er hätte ein paar Millionen Klagen am Hals. Dabei wäre ihm eine genug – die von Gregor Gysi. Doch zuvor muß der Rest dran glauben. Von einigen „tapferen, guten, anständigen“ Leuten abgesehen, stempelt Biermann die „ostdeutschen Menschen“ kurzerhand zu ewigen Sklaven. „Wie Heimkinder, die plötzlich ins Freie gestoßen werden“, riefen sie noch immer nach der Peitsche. So schafft man sich Freunde.

Da kommt der Schriftsteller und Freizeitpolitiker Stefan Heym noch glimpflich davon. „Kein großer Held“, habe er doch „zu den besseren Leuten gehört“. Heym vor Augen, bereichert er seine Welt, die bisher aus „Helden“ und „Arschlöchern“ bestand, um die Figur des „aufsässigen Feiglings“. Der greise Dichter wird’s ihm danken. Doch sein gezielter Wutausbruch gilt Gysi. Wer sich mit dem ins Bett legt, ende selbst „als Schwein“. Gysi sei wegen seiner Verbindungen zur Stasi ein „Verbrecher“, und zwar „hundertprozentig, und nicht mit lumpigen 99,9 Prozent“. So spricht kühlen Kopfes nur, wer mehr zu bieten hat – Schuldbeweise. Wenn die nicht folgen, war das Ganze nur ein „Fluch der Eitelkeit“. W. E.