Gewonnen

Als Unglücksrabe des 13. Bundestages fungiert der 37jährige Pforzheimer CDU-Abgeordnete Roland Richter, der Mann, der die Kanzlerwahl beinahe verschlafen hätte. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, daß der Pechvogel sein Mißgeschick einem Glücksfall verdankt. Denn Roland Richter hat sein Bundestagsmandat quasi in der Lotterie gewonnen. Als im September 1993 im sicheren CDU-Wahlkreis 183 gleich sieben Bewerber – sechs Männer, eine Frau - sich um die Nominierung bemühten, lag Richter im ersten Wahlgang klar vorne, im zweiten nur noch knapp. In der anschließenden Stichwahl kam er dann auf 205 der 410 gültigen Stimmen, gleichauf mit seinem härtesten Kontrahenten, dem 33jährigen Lothar Frick, Büroleiter Heiner Geißlers im Bundestag. Das Los entschied für den Langschläfer.

Geladen

Was macht man, wenn man nicht weiter weiß? Man holt sich Rat. Doch schon die Entscheidung über die Frage „Bei wem?“ wirkt als Wegweiser, ist Teil entweder der Lösung – oder des Problems. Die Liberalen sind ratlos. Folglich lassen sie beim Bundesparteitag in Gera einen prominenten Gast reden zum Thema: „Anstöße für den modernen Liberalismus“. Ralf Dahrendorf wollte – oder konnte nicht. Jetzt wurde Hermann Lübbe eingeladen, ein scharfsinniger Denker, aber alles andere als ein Liberaler, vielmehr ein ausgeprägter Neokonservativer mit allen Vorbehalten gegen die europäische Integration. Ein Wegweiser? Genausogut könnte ein Kardinal einen Kongreß „Neue Methoden zur Geburtenkontrolle“ eröffnen.

Gestorben

Er war zuvörderst ein Herr, danach erst Zeitungsmann: Dr. jur. Robert Strobel, der Nestor des Bonner Journalismus. Das alte Österreich, in das er 1898 hineingeboren worden war, hat ihn geprägt. Distanz des Urteils und Unbestechlichkeit des Blicks verband er mit Spitzer Feder und scharfer Zunge. So kannten ihn auch die Leser der ZEIT, für die er von den Anfängen der Bundesrepublik bis 1968 aus Bonn berichtete. Überall standen ihm die Türen der Mächtigen offen; er gehörte zu den regelmäßigen Gästen bei Adenauers Kanzlertees; im Presseclub, den er mit Alfred Rapp aus der Taufe hob, war seine hagere Gestalt eine vertraute Erscheinung. Den Jüngeren in der journalistischen Zunft war er ein Vorbild an menschlichem Anstand und wacher Beobachtungsgabe. Einmal dichtete er für den Almanach des Bundespresseballs: „Wie viele sind versunken! Und viele stiegen auf. Was gestern noch gestunken, heut’ fällt es kaum mehr auf...“ In den letzten Jahren fühlte er sich „als ein alter Pensionär, den der Sensenmann in seiner Buchhaltung offenbar übersehen hat“. Am 17. November ist Robert Strobel gestorben.

Geehrt

Die deutsche und die polnische Regierung haben gemeinsam einen Preis für Verdienste um die deutsch-polnischen Beziehungen gestiftet. Erstmals wurde er 1993 an Tadeusz Mazowiecki und posthum an Willy Brandt verliehen. In dieser Woche werden Stanislaus Stomma, der im Untergrund, ebenso wie später im Sejm und im öffentlichen Leben ein tapferer Streiter für die Vernunft war, sowie Marion Gräfin Dönhoff den Preis in Warschau in Empfang nehmen. Marion Dönhoff wird ausgezeichnet „wegen ihres jahrzehntelangen, konsequenten Einsatzes für die deutsch-polnische Aussöhnung“. Sie wird ihren Preis, 10 000 Mark, der polnischen Schule in Mikolajki (Masuren) stiften, deren „Schutzherrin“ sie ist.