Von Matthias Naß

Kuala Lumpur

Zufrieden blickt Datuk Seri Mahathir Mohamad von der Bühne in das Auditorium. Er kann sich des Beifalls der versammelten ausländischen Manager sicher sein, wenn er verspricht, er wolle den Bürokraten auch künftig Beine machen: "Wir sind wirtschaftsfreundlich. Wir kennen praktisch jeden einzelnen Geschäftsmann in diesem Land."

Bei den Managern muß Malaysias Premierminister nicht mehr um Sympathie buhlen. Seine Kompetenz ist bei ihnen unbestritten. Er ist ein Macher, der seine Zahlen parat hat, der nüchtern – und in fließendem Englisch – argumentiert, der lieber mit Unternehmern als mit Abgeordneten und Diplomaten auf Auslandsreisen geht. Er ist zugleich Asiens eigensinnigster Politiker.

Niemand weist den Westen schriller in die Schranken, niemand beschwört den Aufstieg Asiens selbstbewußter als Mahathir, Regierungschef seit 1981 und heute auf dem Höhepunkt seiner Macht. "Dr. M" weiß genau, warum die Geschäftswelt ihn so schätzt. Er steht für jene "politische Stabilität", die nicht nur nach offizieller Lesart, sondern auch nach der festen Überzeugung der ausländischen Investoren die entscheidende Voraussetzung für das kleine Wirtschaftswunder des südostasiatischen Landes war. Seit 1957, seit der Unabhängigkeit von Großbritannien, regiert in Kuala Lumpur die Nationale Front, ein Bündnis dreier ethnisch ausgerichteter Parteien, in dem die Malaien-Partei UMNO (United Malays National Organization) den Ton angibt. Und in der UMNO befiehlt allein Mahathir Mohamad.

Die Einparteienherrschaft als Garant für sichere Investitionen, das leuchtet den angereisten Managern auf Anhieb ein, zumal Mahathir es versteht, sein Land als Musterschüler des großen Lehrmeisters Japan anzupreisen: Auch in der "Malaysia AG" sollen Regierung und Privatwirtschaft zum Nutzen des Ganzen kooperieren (die Opposition spricht gern von "money politics", aber auch darin sind die Japaner bekanntlich Meister). "Look east", lautete schon früh Mahathirs Parole, nachdem er sich verbittert von der eirstigen Kolonialmacht abgewendet und seine Landsleute aufgefordert hatte: "Buy British Last!"

Japan als Vorbild, China als Verheißung: Der unbändige wirtschaftliche Aufbruch der Volksrepublik hat Asien in einen neuen Wachstumsrausch versetzt. Mahathir findet für die Hoffnungen Malaysias ein schönes Bild. "In der Vergangenheit haben wir gesagt: Wenn jeder Chinese nur einen Teelöffel Palmöl pro Tag verbraucht, dann werden wir sehr reich. Heute braten die Chinesen ihren Fisch in Palmöl!"