damit über qualifizierte Manager verfügt. In der DDR fehlte es an beidem.

Vor diesem Hintergrund war der Weg, den die Treuhandanstalt 1990 einschlug, nur konsequent. Mit dem Treuhand-Gesetz, das die erste frei gewählte DDR-Volkskammer im Juni verabschiedete, fiel eine Grundsatzentscheidung: Die unternehmerische Tätigkeit des Staates sei „durch Privatisierung so rasch und so weit wie möglich zurückzuführen“, hieß es dort an erster Stelle. Und bereits im November 1990 stellte Detlev Rohwedder unmißverständlich klar: „Wir nehmen den gesetzlichen Auftrag wahr, Privatisierung hat Priorität.“

Dabei ist es geblieben, obwohl das Gesetz, an dem Bonner Regierungsvertreter maßgeblich mitgeschrieben hatten, der Treuhand auch einen Sanierungsauftrag zuordnete. Tatsächlich war eine großangelegte Sanierungsaktion unter Regie der Berliner Anstalt wenig realistisch. Hiergegen sprach schon die Vielzahl der Unternehmen in Obhut der Treuhand: „Angesichts dieser Größenordnungen kann man sich eine zentral geleitete Sanierungsoffensive für die gesamte DDR-Wirtschaft schwerlich vorstellen“, schrieben die Münchner Ökonomen Gerlinde und Hans-Werner Sinn. Und: „Die logistischen Probleme, vor denen die Treuhandanstalt stehen würde, wären etwa die gleichen wie jene, an denen die Zentralverwaltungswirtschaft des kommunistischen Staates gescheitert ist. Statt sich den sozialen Härten einer umfassenden Sanierung auszusetzen, würden die ostdeutschen Unternehmen versuchen, ihre Fortexistenz mit den alten Strukturen zu sichern, solange es geht.“

Diese nur allzu realen Gefahren konnte kein Treuhand-Präsident ignorieren. Peter Moreth, ein Mann des alten Systems, der die sogenannte Modrow-Treuhand führte, hatte ohnehin keine wirklichen Kompetenzen. Er war – wie Ministerpräsident Hans Modrow selbst – ein Mann des Übergangs. Moreths Nachfolger Rainer Gohlke, den Detlev Rohwedder nach nur fünf Wochen aus dem Amt drängte, blieb keine Zeit, die Treuhand-Politik zu gestalten. Erst Rohwedder, der zuvor Vorsitzender des Verwaltungsrates der Anstalt und im Hauptberuf Chef des Dortmunder Stahlkonzerns Hoesch war, legte mit Bonner Rückenwind die bis zuletzt gültigen Spielregeln fest.

Birgit Breuel, die im kommenden April ihr neues Amt als Generalkommissarin der Weltausstellung Expo 2000 antritt, wollte daran nichts ändern. Sie verfolgte die von Rohwedder ausgerufene Strategie der schnellen „Sanierung durch Privatisierung“ unbeirrbar weiter. In der ostdeutschen Bevölkerung verfestigte sich der Eindruck, daß die Treuhand ein herzloser Abwickler der DDR-Wirtschaft sei, dem es allein darum geht, möglichst viele Betriebe möglichst schnell zu verkaufen und den Rest zu liquidieren. Das war kein bloßes Zerrbild, denn ein Problem bekam die Treuhandanstalt nie in den Griff: die Betreuung und Förderung jener Unternehmen, die grundsätzlich als sanierungswürdig eingestuft waren und für die sich zunächst dennoch kein Käufer fand.

Zwar bekräftigte Detlev Rohwedder – kurz vor seiner Ermordung am 1. April 1991 – neben dem Bekenntnis zur „schnellen Privatisierung“ und „behutsamen Stillegung“ seinen Willen zur „entschlossenen Sanierung“ dieser Unternehmen. Wie der Tübinger Wirtschaftshistoriker Marc Kemmler urteilt, war dies aber „letztlich ein politisch motiviertes Lippenbekenntnis“. Die Treuhand stellte den desolaten Betrieben meist nur so viel Geld zur Verfügung, daß sie sich gerade über Wasser halten konnten. Für Investitionen in neue Produkte, Vertriebsstrukturen und Produktionsverfahren gab es viel zuwenig.

Tatsächlich bestätigte sich jetzt die Erkenntnis, die hinter dem Konzept der schnellen Privatisierung stand: Mit der Betreuung Tausender Unternehmen war die Breuel-Behörde total überfordert. Nur mochte dies in der Treuhand niemand offen zugeben. Statt dessen wurde an der Fiktion festgehalten, die Anstalt sei ihren Unternehmen ein fürsorglicher Eigentümer.