DIE ZEIT

Montagsfrage

Selbst nach 48 Jahren ist wieder einmal klar: Der Spiegel, das ist Rudolf Augstein. Sein Wille geschehe. Mögen auch die Mitarbeiter die Hälfte des Verlags besitzen; mögen die Chefredakteure sich wehren; mag der – mit einem Viertel beteiligte – Hamburger Verlag Gruner + Jahr auf Machtzuwachs hoffen.

Letzte Fragen

Der interessiert François Mitterrand fast so sehr wie das Leben. Seit Jahren schon ist er mit ihm per du. Da parliert er im Plauderton über die Ewigkeit, läßt er Freunde, Journalisten oder via Bildschirm gleich die ganze Nation an seinem Leiden teilhaben und disputiert über sein Ende: „Von einer so kurzen Frist haben meine Ärzte nicht gesprochen“, entgegnete er anläßlich des jüngsten franko-italienischen Gipfels Reportern, die gehört haben wollten, er plane nicht mehr über sechs Monate hinaus.

Worte der Woche

„Wenn der Spiegel Glück hat, wird er in eine nationale Aufgabe hineinwachsen, wenn er Unglück hat, wird er in Routine und hohler, selbstgefälliger Beschränktheit, in einem dürftigen Pharisäertum erstarren und kläglich versanden.

Zeitspiegel

„Die Frau ziehen wir jetzt aus dem Auto raus und gehen alle drüber.“ Gabriele Pauli, CSU-Landrätin aus dem bayerischen Fürth, war ziemlich entsetzt, als ihr drei Bundeswehrsoldaten bei einem Abendessen diesen Satz zitierten: Sie hatten ihn von „Führungskräften“ außerhalb der Kaserne gehört.

Samt für die Weißen

Beinahe hätte ich nicht hergefunden“, sagt Evita Bezuidenhout kichernd. „Aber dann sah ich all die schweren Mercedes-Limousinen vor der Halle und wußte: Hier ist die Konferenz vom ANC.

„Reps“ unter neuer Führung: Aufpassen

Bei der Bundestagswahl scheiterten die Republikaner an der Fünfprozenthürde – jetzt haben sie ihren Mitgründer und langjährigen Vorsitzenden endgültig aufs Altenteil geschickt.

BUCH IM GESPRÄCH: Nachtigall aus Wittenberg

Das ist ja das schöne an Feuilletonisten wie Friedrich Schorlemmer: daß es bei ihnen keinen Abfall gibt. Fünf Bücher in zwei Jahren mit „Texten“, also Predigten, Bibelarbeiten, Vorträgen, Vorschlägen, Nachschlägen, Dialogfetzen .

Soll Ladendiebstahl nicht mehr bestraft werden?: Haltet den Dieb!

BONN. – Die Forderung, kleine Straftaten wie Schwarzfahrten und Ladendiebstähle zu entkriminalisieren, erregt die Gemüter. Was für die einen ein notwendiger Schritt zur Entlastung von Polizei und Justiz ist, bedeutet für die anderen eine Kapitulation vor der Massenkriminalität.

Bonner Bühne: Kommen und gehen

Zum Jahreswechsel verläßt des Kanzlers Treuester und Duldsamster endgültig die Bühne: Eduard Ackermann. Viele Jahre war er der deutsche Prototyp für das, was die Amerikaner spindoctor nennen: der Spezialist für den rechten Dreh (spin), die gewünschte Interpretation einer Nachricht.

Mädchen ohne Kindheit

Nachdem die Psychologin Angelika Mayer von Dagmar und ihrem Vater erzählt hat, wird es für einen Moment sehr still, weil es nach solchen Geschichten nicht viel zu sagen gibt.

Wenn man sich stur an den Wortlaut hält...: Flüchtling darf nicht bei den Eltern leben

SINGEN. – Offensichtlich fehlt es der Landesregierung in Sachen Flüchtlingswesen an Leuten mit Gehirn. Auf Erlasse zum Umgang mit Bürgerkriegsflüchtlingen aus Bosnien-Herzegowina stützte jetzt das Ausländeramt die Verschiebung eines neunzehnjährigen Bosniers nach Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, obwohl seine in Singen als Gastarbeiter lebenden Eltern dem Amt schriftlich versicherten, daß er von ihnen aufgenommen und voll versorgt wird.

Eine Großfamilie, die noch intakt ist: Die Mutter Courage der „Waldgeborenen“

SINGEN AM HOHENTWIEL. – Wie bitte? „Jahr der Familie“? Was ist das? Was darunter auch immer verstanden werden mag, eines ist sicher: Der Begriff „Familie“ gilt nicht für jene Familien, deren Heimat über viele Generationen Wald- und Feldränder waren, die früher mit Pferdekarren, später mit alten Traktoren und ausgedienten Wohnwagen als Korbmacher, Scherenschleifer und Schrottsammler von Ort zu Ort zogen.

Liaison ohne Lust

Schöne Bescherung: Bereits zehn Tage vor dem Fest des Kaufens und Schenkens mußte der Handel eine bittere Bilanz ziehen. Das Weihnachtsgeschäft, so räumte Walter Deuss, Präsident des von Warenhäusern und Versandhandel dominierten Einzelhandelsverbandes BAG, unverhohlen ein, sei „total enttäuschend“ gewesen.

Manager und Märkte

BMW: Herz für den Rolls-Royce Daimler-Benz: Fußtritt für den Chef Tapie: Handstreich zu Lasten Dritter

Interview: Bonn spielt falsch

NECKER: Ich bin am 5. Dezember von Herrn Minister Bötsch telephonisch gefragt worden, ob ich bereit sei, in den Aufsichtsrat der Telekom zu gehen.

Milliardensegen

Trickreich hat Bundesfinanzminister Theo Waigel die letzten Wochen des Jahres genutzt, um die Treuhandanstalt wenige Tage vor deren Auflösung mit zusätzlichen Milliarden auszustatten.

Markt-Report: Lustlos ins neue Jahr

Obwohl der deutsche Aktienindex (Dax) in der Vorwoche noch den psychologisch wichtigen Stand von 2000 Punkten zu unterschreiten drohte, kam er an diesem Wochenanfang der Marke von 2100 sehr nahe.

Bonner Kulisse

Wird Bundesbauminister Klaus Töpfer durch seine erste Amtshandlung – Leerpumpen des vor einem Jahr beim Hochwasser gefluteten Schürmann-Baus – zum Umweltfrevler? Unter Bonner Sozialdemokraten kursierte das Gerücht, in den brackigen Wassern des Parlamentsneubaus tummelten sich bereits Fische von ansehnlicher Größe.

Kanzleramt: Monumental

Ende 1999, pünktlich zum Beginn des neuen Jahrtausends also, soll das neue Bundeskanzleramt in Berlin fertig sein. Und Helmut, der dann längst nicht mehr Kanzler sein wird, muß nun entscheiden, wie es aussehen soll.

Marktwirtschaft zwischen Eigeninteresse und Nächstenliebe Verhalten sichert die Zukunft einer Gesellschaft? – welches: Die moralische Dimension

Ein Glück, daß die meisten Menschen nicht so sind, wie die ökonomische Theorie sie darstellt. Der Homo oeconomicus, der, von grenzenloser Eigenliebe getrieben, nur seinen Nutzen zu maximieren und sein Leid zu minimieren sucht, ist eine deformierte Persönlichkeit, wenn er in der Realität auftaucht – eine Art Ebenezar Scrooge, wie ihn Charles Dickens in seiner Weihnachtserzählung beschrieben hat: habgierig, knauserig, filzig, schlau und asozial, ein Geizkragen und Leuteschinder.

Erforscht und erfunden

Eine raffinierte Methode, die verknäulte DNA zu einem glatten Faden „auszukämmen“, wurde von einem französischen Wissenschaftsteam entwickelt.

Ein Weihnachtsgeschenk vom Wissenschaftsminister: Einverstanden mit Ruinen

In diesem Jahr habe auch ich endlich mal ein Weihnachtswerbegeschenk bekommen. Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie, mit anderen Worten: das große neue Zukunftsministerium, hat eine Weihnachtskarte geschickt von einer "Satellitenaufnahme mit typischem Wolkenwirbel über Irland", dazu einen farbigen Kalender "Faszination Wissenschaft 1995".

Noch entziehen sich Trüffeln der Massenzucht. Vor allem die besten bleiben der Natur treu: Schwarzer Schatz

Dem französischen Feinschmecker Anthelme Brillat-Savarin galt er als „der schwarze Diamant der französischen Küche“. Auch heute, rund 150 Jahre nach dieser genüßlichen Schwärmerei des hauptberuflichen Richters und berühmten Geschmacksrichters, gehört Tuber melanosporum alias die Périgord-Trüffiel zum Luxuriösesten, was man sich auf seinem Teller leisten kann.

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