Trickreich hat Bundesfinanzminister Theo Waigel die letzten Wochen des Jahres genutzt, um die Treuhandanstalt wenige Tage vor deren Auflösung mit zusätzlichen Milliarden auszustatten. Denn bis zum Jahresende kann Waigel derartige Mittel selbst genehmigen, vom neuen Jahr an hätte er die Zustimmung des Parlaments benötigt. Dabei deckte der Minister schon vorab Ausgaben und Verluste von Treuhand-Unternehmen ab, die überhaupt erst in den Jahren 1995 bis 1997 entstehen werden.

Insgesamt stellte Waigel der Treuhand 6,9 Milliarden Mark für „Sondermaßnahmen“ bereit. Von diesem Betrag sind allein gut 700 Millionen Mark für den Erhalt der Chemiestandorte Schkopau (Buna) und Böhlen (Sächsische Olefinwerke) bestimmt, die ohne eine kräftige Mitgift nicht zu privatisieren sind. Nach einer internen Übersicht seines Ministeriums läßt sich Waigel die Rettungsaktion in der ostdeutschen Chemieregion insgesamt fast 2,4 Milliarden Mark kosten. Eine Stange Geld kostet auch der Verkauf der Deutschen Waggonbau AG (DWA): 500 Millionen Mark sind zur Eigenkapitalausstattung der DWA vorgesehen. Nicht darben müssen künftig auch die fünf Management-Kommanditgesellschaften der Treuhandanstalt, für die gut 1,5 Milliarden Mark bewilligt wurden. In diesen Holdings sind sanierungsfähige, aber bislang nicht privatisierbare Firmen zusammengefaßt.

Ein Vorruhestandsprogramm für ältere Arbeitnehmer in den verbliebenen Treuhandfirmen kostet zusätzlich knapp 600 Millionen Mark. Hierdurch soll die „Altersstruktur in den Unternehmen“ verbessert werden.

Waigels Finanzplanung gerät durch die kostenträchtigen Sondermaßnahmen offenbar nicht durcheinander. Der Hintergrund: Das Treuhand-Defizit fällt wahrscheinlich deutlich geringer aus als ursprünglich erwartet, neu