Ihr macht im Moment eine schwere Zeit durch", sagt der alte Mann, "aber wenn wir euch helfen können, dann tun wir das natürlich." Er ist über Achtzig, und er kann den jungen Kameraden gut verstehen, der, Polizei und Verfassungsschutz an den Fersen, mit einem "Gruß aus der Reichshauptstadt" an ihn vermittelt wurde. Eine jüngere Frau serviert Kognak und Kekse. "Meine Kameradin", stellt der Alte sie vor. Doch bevor es gemütlich wird, schreitet der Gastgeber zur Prüfung: die Namen der wichtigsten SS-Verbände, das Verhältnis zwischen SS, SA und Wehrmacht, die wichtigsten Daten im Leben des Führers, die entscheidenden Schlachten des Weltkriegs, die zweite Strophe des Horst-Wessel-Liedes - erst nach einer Viertelstunde ist der alte Nationalsozialist überzeugt, daß er es bei seinem Besucher mit einem waschechten Nachwuchsnazi zu tun hat. "Ich war SS-Mann, und ich bin SS-Mann", betont der Greis, der ungebeugt an seinem riesigen Eichenschreibtisch sitzt. "Der Bund der SS hält ein Leben lang." Und wahren Gesinnungsgenossen hilft er natürlich aus der Patsche.

Der Alte breitet eine Weltkarte aus: Auf einer Farm in Paraguay sei der junge Kamerad am sichersten untergebracht. Und dann wäre da noch eine Alternative: "Falls du wirklich entschlossen bist, schick' ich dich nach Südafrika. Die weiße Untergrundbewegung kann zwar im Moment nicht mehr sehr viele neue Leute aufnehmen, aber ein paar von euch können da schon noch was lernen."

So weit kam es dann am Ende doch nicht - der junge Kamerad war ein getarnter Journalist. Doch der SS-Mann war echt. Und eine Szene wie diese ist kein Einzelereignis in der Lebenswelt der alten und neuen Nazis. In einer verwinkelten Gasse in der Altstadt von Nizza beispielsweise erhalten Neonazis gegen Bargeld und Empfehlungsschreiben innerhalb von 24 Stunden ein Flugticket und einen neuen Paß. Über den Ultima-Thule-Versand in Dänemark etwa wird die Anschrift eines deutschen Grundbesitzers in einer Garnisionsstadt der südafrikanischen Regierungsarmee vermittelt. Der unterhält dort beste Kontakte zu Offizieren, die die Deutschen mit Waffen der südafrikanischen Armee trainieren lassen.

Die rege Reisetätigkeit der Neonazis hat ihren Grund: Sie sind ins Visier der Fahndungsbehörden geraten. Auf die Explosion rechtsextremer Gewalt reagierten die Innenminister des Bundes und der Länder, indem sie seit 1992 zunehmend Organisationen von Neonazis verbieten lassen. Zwei Verbotsanträge gegen die "Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei" (FAP) und gegen die "Nationale Liste" liegen beim Bundesverfassungsgericht. Justizverfahren enden inzwischen häufiger mit hohen Freiheitsstrafen. Die Szene, so hieß es im jüngsten Verfassungsschutzbericht, sei dadurch verunsichert. Hinzu kommt, daß mit rechtsradikaler Propaganda keine Wahlen mehr zu gewinnen sind. Die Stimmenanteile von DVU und den in Auflösung befindlichen Republikanern sackten überall in den Keller, parteiinterne Streits schwächten den parlamentarischen Flügel der Rechten entscheidend. Die Rechtsextremisten sind frustriert. Gerade das macht sie gefährlich. So stellen sich viele die Frage: Abtauchen in den Untergrund und den bewaffneten Kampf aufnehmen? Und ähnlich wie die Gründer der linksterroristischen RAF vor 25 Jahren schmieden viele bereits konkrete Pläne.

Die jetzt verbotene "Wiking-Jugend" schien zumindest in der Vorbereitung zum bewaffneten Kampf schon weit gekommen zu sein. Kurz vor dem Verbot durch Bundesinnenminister Manfred Kanther urteilte ein Ermittler des Bundeskriminalamtes: "Das ist eine der Kampfeinheiten, denen nur noch der Startschuß fehlt." Wiederholt waren bei Mitgliedern der seit 42 Jahren aktiven Gruppierung scharfe Waffen, Munition und Sprengstoff gefunden worden.

Beim Sammeln von Militärgerät hatten es die Fanatiker nicht belassen: In Sommer- und Winterlagern wurde mit den Waffen geübt, oft unter den Augen der Polizei. Im Mittelpunkt dieser militärischen Ausbildung stand lange Zeit das "Schulungszentrum Hetendorf", eine neonazistische Tagungsstätte am Rande der Lüneburger Heide. Mehrmals am Tag öffneten sich während der "Wiking"-Treffen die Tore der ehemaligen Kasernen- anlagen, und ein Gespensterzug zog aus: In feldgrauer Uniform, mit schweren, schwarzen Stiefeln, mit klirrenden Hakenkreuz-Gürtelschnallen und der verbotenen Odalsrune an den Schulterklappen marschierten dann bis zu 300 Jungnazis in das nahe gelegene Bundeswehrübungsgelände. Mit "Gewalt-" und "Orientierungsmärschen" wurde den intern "Pimpfen" genannten Acht- bis Zwanzigjährigen das Heranschleichen an Feinde, der Handgranatenweitwurf und nach Augenzeugenberichten auch das Schießen beigebracht. Altgediente Nazis sorgten als Begleitmannschaft dafür, daß der Kontakt zu neugierigen Dorfbewohnern Hetendorfs oder zu etwaigen Gegendemonstranten unterblieb. So wurde an der Bundeswehrgeschützstellung Nummer 4 allzu interessierten Hetendorfern klargemacht, daß die Leinen der kläffenden Kampfhunde schnell mal reißen könnten. Die Hetendorfer verstanden und nahmen Reißaus.

Während die neonazistischen Kameradschaften der verschiedenen "Gaue" über den Truppenübungsplatz marschierten, fuhren die Bundeswehrsoldaten ungerührt weiter Streife. Schließlich, so berichtet ein Neonazi stolz, sei man von den Offizieren sogar zu offiziellen Gedenkfeiern auf die Soldatenfriedhöfe und an die Ehrenmäler der Gefallenen eingeladen worden.

Auch die örtliche Polizei sah dem braunen Treiben in Hetendorf lange Zeit zu. Im Verlauf des letzten paramilitärischen "Wiking"-Treffens in diesem Sommer wurden direkt vor den Augen der Polizisten Photographen mit Holzstangen geschlagen, Wagen von Presseteams in voller Fahrt von der Straße abgedrängt und Rundfunkreportern die Aufnahmegeräte entrissen. "Verschwinden Sie hier, wir wollen das in Ruhe über die Bühne bringen", versuchten die Ordnungshüter damals die Presse loszuwerden. Ein Mitarbeiter des Innenministeriums, der nicht genannt werden will, gab zu: "Wir wissen ja um die regionale Verwobenheit der Polizeikräfte mit diesen Leuten, aber das muß man erst mal in den Griff bekommen." Ein Beamter des Bundeskriminalamtes, der von dieser Hinhaltetaktik erfuhr, bekam daraufhin einen Wutanfall - der Extremismusexperte hatte sich gegenüber der niedersächsischen Polizei dafür eingesetzt, das Tagungszentrum sofort zu stürmen und zu durchsuchen. Als Hetendorf mehrere Monate später durchsucht wurde, fanden die Beamten nichts mehr. Die "Wiking"-Jünger hatten ausreichend Zeit gehabt, belastendes Material beiseite zu schaffen.

Sieben Organisationsverbote haben die Innenminister des Bundes und der Länder seit 1992 verhängt. Doch das hat dem Zusammenhalt der Rechtsradikalen wenig anhaben können. Das lehrt das Beispiel der "Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front" (GdNF), die Mitte der siebziger Jahre von dem 1991 an Aids verstorbenen Neonaziführer Michael Kühnen aufgebaut wurde. Die Gemeinsamkeit der einzelnen, für sich autonomen Gruppen bestand vor allem darin, den ehemaligen Bundeswehrleutnant Kühnen als Führer anzuerkennen. Ende 1992 holte das Bundesinnenministerium zum großen Schlag aus. Wie die Gruppen auch hießen, "Nationalistische Front", "Deutsche Alternative" oder "Nationale Offensive", alle wurden verboten. Doch in allen Fällen hatten die Rechtsextremisten auch damals rechtzeitig Wind bekommen und Mitgliederlisten, Computerausrüstungen und Propagandamaterial beiseite geschafft. Nach wenigen Tagen ging die Arbeit weiter, lediglich die Postfächer und die Namen der Vereinigungen waren ausgewechselt worden.

Meinolf Schönborn, Chef der "Nationalistischen Front", ließ sich in Dänemark nieder. Erst vor wenigen Wochen wurde er von aufgebrachten Bürgern aus einem Dorf kurz hinter der deutschen Grenze vertrieben und später in Gütersloh verhaftet. In Deutschland hatte er selbst nach dem Verbot seiner Organisation noch zwei Jahre lang ungestört für die "nationale Sache" arbeiten können. Sein Stellvertreter Andreas Pohl gründete unmittelbar nach der Aktion des Innenministers das "Förderwerk Mitteldeutsche Jugend", das, inzwischen zwar ebenfalls verboten, dennoch mit dem Blatt Der Angriff weiterhin Propaganda betreibt. Nun nennen die Kameraden ihren Zusammenschluß "Direkte Aktion" und haben sich auf die Bildung anonymer "Aktionsgruppen" verlegt. In die Illegalität und den Terror ist es von da aus nur noch ein kleiner Schritt. Auch hier sind Parallelen zum Vorbild RAF unübersehbar: "Der Tod von Wolfgang Grams in Bad Kleinen beweist, daß er bereit war, auch diese letzte Konsequenz in Kauf zu nehmen", heißt es im Angriff, "doch wer weiß, vielleicht füllen eines Tages Kameraden in unserem Sinne diese Lücken."

Das weitverzweigte Netz der militanten Rechten ist längst auch international geknüpft. Kontaktstelle vieler Gruppen ist die "National-Sozialistische Deutsche Arbeiter Partei/Auslands- und Aufbauorganisation" (NSDAP/AO). Gegründet in Deutschland, siedelte sie, als sich Anfang der siebziger Jahre ein Verbot abzeichnete, nach Lincoln/Nebraska über und entwickelte sich schnell zum mitgliederstärksten internationalen Naziverband, der bis heute vom liberalen Rechtssystem der USA profitiert.

Die NSDAP/AO propagiert seit Monaten den Einstieg in den Untergrund. In ihrem Organ NS-Kampfruf wird die Ermordung des Treuhand-Chefs Detlev Rohwedder als nachahmenswertes Beispiel dargestellt. Nun müsse man nach RAF-Vorbild ebenfalls "geeignete Zielpersonen" ausfindig machen. In weiteren Folgen der Artikelserie "Bewegung in Waffen" wird es konkret: "Im Normalfall wird ein Scharfschütze genügen. Für diese Verfahrensart des Attentats sprechen auch die Kampfentfernungen in Deutschland: Das heißt, mit einem halbwegs guten Präzisionsgewehr im üblichen Kaliber (.308 Winchester, 223 Remington) kann der Gegner in 60-70 % der Fälle vernichtet werden."

Generalbundesanwalt Kai Nehm vermutet als Autoren dieses offenen Aufrufes zum Mord zwei junge Neonazis, die ihr Domizil lange in Hamburg hatten: Christian S. und Henry F. Er ermittelt wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Mitglieder der NSDAP/AO werden auch als Drahtzieher der Briefbombenanschläge in Österreich vermutet. Präparierte Post war im Oktober an jüdische Einrichtungen, an Ausländertreffpunkte und an eine Firma, die Ausländer beschäftigt, geschickt worden; die Polizei konnte sie jedoch unschädlich machen. Vor einem Jahr hatte eine solche Nitroglyzerin-Bombe dem Wiener Oberbürgermeister Helmut Zilk mehrere Finger der linken Hand abgerissen. Im Zusammenhang mit den Wiener Anschlägen wird nun auch gegen eine Gruppierung im Berliner Raum ermittelt.

Als deutscher Brückenkopf zu Gary Laucks NSDAP/AO gilt beim Bundesamt für Verfassungsschutz die "Nationale Liste" des Neonaziführers Christian Worch in Hamburg. Ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes: "Den direkten Draht zur NSDAP/AO hat Worch von Michael Kühnen geerbt."

Christian Worch zählt mit seinen 38 Jahren schon zu den etablierten Männern der Neonazibewegung. Der Einfluß des dunkelhaarigen Kühnen-Nachfolgers erstreckt sich auf viele Gruppen und Grüppchen. Seine Fäden spinnt Worch von seiner Privatwohnung aus; er lebt in einem unscheinbaren Mehrfamilienhaus in Hamburg-Barmbek, das er geerbt hat, ebenso wie ein Haus im vornehmeren Stadtteil Eppendorf, zudem ausreichend Kapital, um unabhängig zu sein. Wer Christian Worch besucht, muß sich eine eingehende Musterung durch zwei Türspione gefallen lassen, erst dann werden schwere Riegel beiseite geschoben. Gleich neben der Wohnungstür, auf einer abgenutzten Holzvitrine, liegen Gaspistole und Baseballschläger. Worch nennt seine Wohnung gerne die "am besten gesicherte" in ganz Hamburg. Bei jeder Hausdurchsuchung nimmt das gewaltsame Öffnen der Tür bis zu dreißig Minuten in Anspruch. Der Perfektionist Worch merkt sich genau, wie lange die Polizei braucht, freiwillig öffnen würde er nie, auch nicht bei vorliegender Durchsuchungserlaubnis.

Gäste bewirtet der smarte Millionär in einem spartanisch-spießigen Wohnzimmer: Abgesehen von einem modernen Faxgerät und Funktelephonen, wirkt die kärglich ausgestattete Wohnung wie eine Zufluchtsstätte.

Provozieren läßt sich Worch nicht so leicht, er redet ohne Punkt und Komma, ohne einmal ins Stocken zu geraten, und doch fehlen ihm die rhetorische Brillanz, die Dynamik und Aggressivität, die Voraussetzung dafür wären, der unumstrittene Führer einer ganzen Bewegung zu werden: Zu gleichmäßig, fast monoton und für viele seiner Anhänger auch zu abstrakt redet Worch über Vaterland, Nation und Rasse. Auch wenn er auf jede Frage eine Antwort hat, blickt er während des Sprechens an die Wand, auf den Tisch, auf ein Bücherregal - aber niemals seinem Gesprächspartner ins Gesicht. Ob er mit seiner Anhängerschaft aus besoffenen, gröhlenden Skinheads denn nun alles erreicht habe? "Nein", sagt der Notariatsgehilfe, "Sie haben ja völlig recht. Im Moment sind wir zu wenige, und uns fehlen die Köpfe. Aber warten Sie doch mal ab: Wenn sich die Zeiten ändern, und das kann schnell passieren, dann werden wir die ersten sein, die den Leuten glasklar sagen können, wo es langgeht."

Niemand, auch er selbst nicht mehr, zählt die Gerichtsverfahren gegen Worch. Die meisten der oft jahrelangen Prozesse enden mit Einstellung oder Freispruch. Worch und sein Anwalt, der Hamburger Rechtsextremist Jürgen Rieger, bieten immer wieder neue Zeugen auf, stellen neue Befangenheitsanträge, weisen den Richtern oder Staatsanwälten Verfahrensfehler nach. Auch seine zweijährige Haftstrafe, zu der Worch im Dezember von der Frankfurter Staatsschutzkammer wegen der Fortführung einer verbotenen Organisation verurteilt wurde, hat der Hamburger noch nicht angetreten: Das Urteil wird wie gewohnt angefochten.

Jürgen Rieger ist eine der Schlüsselpersonen des deutschen Neonazismus. Wann immer ein Kamerad in die Fänge der Polizei gerät, steht der 48jährige Rechtsanwalt bereit. Er hat vom KZ-Verbrecher bis zu den ungezählten Nachwuchsnazis viele verteidigt, die in der Szene Bedeutung erlangt haben. Seine Kontakte zu den Führern der rechten Szene sind bei den Behörden bekannt, seine "rassistische Überzeugung" auch: In einer Broschüre seiner Organisation "Neue Anthropologie" macht er darauf aufmerksam, daß "durch Rassenmischung zahlreiche Kontakte wie Schizophrenie und Krebs" auftreten und daß die Deutschen von den "Rassenkämpfen der Zukunft nicht unvorbereitet überrascht" werden dürfen.

Jürgen Rieger gehört auch zu den Vorsitzenden des Vereins "Heide Heim", der das Gelände in Hetendorf besitzt, wo die jetzt verbotene "Wiking-Jugend" ihre Pfingsttreffen abhielt. Dank seines juristischen Einsatzes für überzeugte Neonazis ist dem Anwalt in der aktuellen Ausgabe des NS-Kampfrufes eine ganze Seite gewidmet - mit großformatigem Bild, Unterzeile: "Ein Kämpfer für die Freiheit".

Riegers Mandant Worch sitzt im Gerichtssaal auf der Anklagebank meist mit verschränkten Armen, im hochgekrempelten Pullover und grinst - auf die nächste Unsicherheit des Richters wartend. Nervös wird Worch nur, wenn die Anklage den Vorwurf enthält, eine kriminelle oder terroristische Vereinigung gegründet oder unterstützt zu haben. Denn wenn er wegen eines solchen Tatvorwurfes verurteilt würde, könnte der Millionär nicht mehr wie in den meisten anderen Verfahren über eine für ihn lächerliche Geldstrafe schmunzeln.

Deswegen dementiert Worch offiziell auch alle Kontakte zur NSDAP/AO. Schließlich wurde schon sein Vorgänger Michael Kühnen 1979 in Bückeburg wegen Unterstützung der amerikanischen Terrorgruppe zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. In diesem Prozeß hatte ein abtrünniger Neonazi das Ziel der Organisation so beschrieben: Man wolle durch eine Serie von Bombenanschlägen die Grundordnung der Bundesrepublik erschüttern, unter anderem mit Anschlägen auf Gewerkschaftshäuser und Zeitungsverlage.

Daß auch Christian Worch offenbar für den "nationalen Befreiungskampf" vorbereitet sein will, schildert einer der wenigen Aussteiger aus der "Nationalen Liste": "Vereinzelt wird Straßenkampf geübt. Da sind sehr viele aus der Bundeswehr dabei, die jetzt auch noch beim Bund sind, die haben es natürlich drauf. Da haben wir dann eine Schießausbildung bekommen, auch mit scharfen Waffen. Abends wurde dann gegrillt und gesungen, NS-Lieder." Kurze Zeit nach seinem Ausstieg aus der "Nationalen Liste" wurde der Achtzehnjährige brutal zusammengeschlagen, die Täter sind unbekannt.

Sicher ist es nicht zuletzt Worchs Werk, daß Hamburg als eines der Zentren des organisierten Rechtsextremismus in Deutschland gilt. "Was da an Fäden zusammenläuft, hat Einfluß auf die militante Szene in ganz Deutschland", heißt es beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Daß es dennoch gerade in der Hansestadt kaum offene Neonaziaufmärsche und relativ wenig Gewaltakte gegen Ausländer gibt, erklärt ein Mitglied der "Nationalen Liste" so: "Abgesehen davon, daß auch wir uns wundern, daß die Polizei uns in Ruhe läßt, wollen wir ja auch kein Aufsehen, Hamburg ist Rückzugsraum."

Nicht zuletzt wegen ihrer Wehrsportübungen muß die "Nationale Liste" damit rechnen, daß das Bundesverfassungsgericht im kommenden Jahr ein reguläres Parteienverbot über sie verhängt. Es wäre das erste Parteienverbot seit 38 Jahren. Damals war zunächst die rechtsextreme "Sozialistische Reichspartei", später die "Kommunistische Partei" verboten worden. Anders als für ein bloßes Organisationsverbot ist die Grenze für das Verhängen des Parteiverbots durch die damaligen Urteile sehr hoch angesetzt.

Während das Bundesverfassungsgericht noch prüft, befürchten staatliche Stellen, daß Ermittlungen nach einem Verbot noch schwieriger werden. Ein Hamburger Beamter: "Es ist kein Zufall, daß die im Moment alle dasselbe machen - lose Strukturen schaffen, die von der Polizei kaum nachvollzogen werden können, Verbindungen ins Ausland aufbauen, Wehrsportübungen machen. Da sind längst Strukturen geschaffen worden, an die wir nicht mehr herankommen, da es keine Mitgliedschaften oder Versammlungen mehr gibt, die juristisch faßbar wären."

Solche Strukturen weist beispielsweise schon die "Freiheitliche Arbeiterpartei" auf. Allein in Schleswig-Holstein entstanden in den vergangenen Wochen fünf neue "Ortsgruppen", von denen sich untereinander nur die Gruppenführer kennen. "Informelle Strukturen", so ein FAP-Funktionär, "eröffnen uns große Bewegungs- und Aktionsräume." Die Gruppierung gilt als die mit den besten Auslandskontakten; intern werden einige Funktionäre inzwischen als "Reise-Kader" bezeichnet, weil sie regelmäßig Faschistentreffen in anderen Ländern besuchen. Die FAP als größte rechtsradikale Organisation wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz zu den gefährlichsten von insgesamt 82 gewaltbereiten Neonazigruppen gezählt.

An Erfahrungen mit Gewaltakten fehlt es der FAP-Parteiführung nicht. Der 65jährige Parteichef Friedhelm Busse saß bereits Anfang der achtziger Jahre für vier Jahre hinter Gittern. Zusammen mit anderen Neonazis war Busse auf dem Weg zu einem Banküberfall in München. Als die Polizei den Wagen stoppte, eröffneten die Begleiter sofort das Feuer, zwei von ihnen starben im Kugelhagel. Ein Weggefährte konnte zunächst fliehen. Als er an der deutsch-schweizerischen Grenze gestellt wurde, erschoß er zwei Beamte und richtete sich anschließend selbst. Nach diesen blutigen Feuergefechten wurde die damalige Organisation Friedhelm Busses, die "Volkssozialistische Bewegung Deutschlands - Partei der Arbeit" verboten. Nach seiner Haftstrafe kämpfte sich Busse an die Spitze der zunächst noch bedeutungslosen FAP, die aber schnell mehr Bedeutung erlangte: Als die "Aktionsfront Nationaler Sozialisten" des Bundeswehrleutnants Michael Kühnen verboten wurde, verordnete er seinen Kameraden den Eintritt in die FAP.

Noch einmal wird es nicht so leicht klappen, bei anderen, noch nicht verbotenen Organisationen unterzuschlüpfen. Inzwischen sind Staatsanwaltschaften und Polizei für den Tatbestand der "Fortführung verbotener Organisationen" sensibilisiert. Zumindest bei so großen Verbänden wie der FAP dürfte es kaum unbemerkt bleiben, wenn die Kader aus Halstenbek bei Hamburg, Berlin und Bonn eine andere Gruppierung als Deckmantel zur Fortsetzung ihrer Aktivitäten benutzen.

Seit die militanten Neonazis in Deutschland schärfer unter die Lupe genommen werden, sind ihre Verbindungen ins Ausland immer wichtiger geworden. Die ultrarechten Stiefelträger genießen es, in Belgien, den Niederlanden, Frankreich oder Spanien, zusammen mit verständnisvollen Gesinnungskameraden und von der Bevölkerung weitgehend ungestört, für die gemeinsame Sache marschieren zu können - für ein "Europa der Nordrassen", wie es die "Wiking-Jugend" immer verlangt hat.

Für die europäischen Rechtsextremisten hat sich die sogenannte "Ijzenhedevaart", das Volksfest stramm flämisch gesinnter Belgier, zu einem wichtigen Gesprächsforum entwickelt. Hier lassen sich zwei Tage lang neue Kontakte knüpfen. Ausländische Partnerorganisationen stehen den Kameraden aus dem "Reichsgebiet" mit Rat und Tat zur Seite. So hat für die deutschen Neonazis das Plakat am Ortseingang von Diksmuide eine tiefe Bedeutung: "Voorpost - die Ruhe vor dem Sturm".

"Es liegt etwas in der Luft", meint ein fünfzigjähriger Süddeutscher, der wegen SS-Propaganda mehrere Jahre im Gefängnis verbrachte und nun in einem Diksmuider Café freudestrahlend alte Kameraden begrüßt. "Wir haben doch nicht unser halbes Leben für Deutschland gekämpft, um uns dann wie die Hasen jagen zu lassen."

Schwarz gekleidet und in Militärstiefeln marschieren die Mitglieder von "Voorpost" durch die Straßen. Sie werden hier im flämischen Teil Belgiens toleriert. Ihr Bündnispartner, der rechtsextremistische "Vlaams Blok", ging in Antwerpen als stärkste Fraktion aus den Kommunalwahlen hervor.

Von solchen Ergebnissen können die Vertreter der deutschen NPD und deren Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" einstweilen nur träumen. Auch in diesem Jahr sind sie wieder nach Diksmuide gekommen, um ihre Freundschaft zu den flämischen Kameraden zu erneuern, für sie eine "Schicksalsgemeinschaft". So werden die Schwarzhemden aus Belgien auch im nächsten Jahr wieder gern gesehene Gäste der Rudolf-Heß-Gedenkaufmärsche sein. Die Hände der deutschen Kameraden strecken sich zum Hitler-Gruß, als der Trommlerzug der "Voorpost" einige Minuten vor dem eigentlichen Umzug der flämischen Gruppen die Straßen füllt.

Mit schweren Springerstiefeln, grün-braunem Kampfanzug und Sonnenbrille steht auch Eite Homann breitbeinig im Getümmel. Homann gehört zu den Respektpersonen in der europäischen Szene. Als langjähriger Weggefährte des verstorbenen Michael Kühnen baute der Niederländer nach dessen Anleitung die ANS auf, die niederländische "Aktionsfront Nationaler Sozialisten". Homann ermöglicht den deutschen Gefährten die Teilnahme an Wehrsportübungen mit scharfen Waffen. Geldmangel, so ein zwanzigjähriger Dortmunder Teilnehmer an einem der Wehrsportlager der ANS, gebe es nicht, die Ausrüstung und die Verpflegung seien perfekt.

Sollte einer der Kameraden dennoch in die Fänge der Justiz geraten, mangelt es nicht an Unterstützung. So ist in Deutschland die "Hilfsgemeinschaft für Nationale Gefangene" (HNG) in Mainz zu einer überparteilichen Sammlungsbewegung geworden. Die HNG betreut fast hundert "politische Gefangene". In mehreren Gefängnissen ist es der Gruppe gelungen, regelrechte "nationale Schulungsabende" einzurichten, das Material läßt man durch gleichgesinnte Wärter einschleusen. An der Spitze der HNG steht eine Frau: die sechzigjährige Ursel Müller, Besitzerin einer Gärtnerei in Mainz. In ihrer Liste der sogenannten politischen Gefangenen listet die Extremistin 78 inhaftierte Gesinnungskameraden auf, darunter auch Mörder, die russischen Faschistenorganisationen angehören.

In Diksmuide veranstaltet die "Hilfsgemeinschaft" ein eigenes Treffen. Daran nahmen in diesem Jahr auch ausgewählte Kader der inzwischen verbotenen "Wiking-Jugend" teil. Für die seltenen Gäste war ein etwas abseits stehender Tisch reserviert. Dort saßen Familien der "Wiking-Jugend" unter sich.

Interessierte nutzten in Diksmuide die Gelegenheit, den Informationsstand der "Wiking-Jugend" zu besuchen. Propagandaschriften, Aufkleber mit ausländerfeindlichen Motiven und Mitgliedsanträge stießen auf große Nachfrage bei den Sechzehn- bis Zwanzigjährigen, die oft mit ihren Eltern nach Belgien gekommen waren. Für diesen rechtsextremen Nachwuchs sind vor allem die paramilitärischen Übungen der als geheimnisvoll geltenden "Wiking-Jugend" von hoher Anziehungskraft.

Der Kampf für ein "weißes Europa" eint in der Diksmuider Gaststätte "Hof zu Flandern" alle, auch die drei Burschenschaftler der Tübinger Universität mit dem niederländischen Ableger der "Wiking-Jugend". "Ihr in Deutschland seid natürlich im Moment schlecht dran", sagt der niederländische Kamerad in schwarzer Kluft, "da müssen wir mal überlegen, was wir zusammen machen können."

Auch Siegfried Borchardt, genannt "SS-Sigi", ist angereist, sitzt im Kreise angetrunkener Skinheads, leert einen Maßkrug belgischen Biers nach dem anderen und wird dabei immer lauter. Borchardt, ehemaliger Führer der rechtsradikalen Hooligan-Vereinigung "Borussenfront" ist Vorsitzender der FAP in Nordrhein-Westfalen und mehrfach vorbestraft. Gegen Mitternacht stört einer seiner Anhänger aus Fahrlässigkeit die bisherige Eintracht der rund vierhundert versammelten Neonazis. Er geht mit einem T-Shirt - "I support the IRA" - ausgerechnet in dem Moment an der Gaststätte vorbei, als diese gerade von etwa dreißig britischen Glatzköpfen verlassen wird. Sofort dreschen die Briten mit abgebrochenen Maßkrügen und Stühlen auf den T-Shirt-Träger ein, seine Kameraden kommen ihm zu Hilfe. Als wenige Minuten später mehrere Dutzend Polizisten eintreffen, schimmert vor der Kneipe eine Blutlache. Niemand erstattet Anzeige, und ein Nachwuchsskinhead, sichtlich stolz auf seine Platzwunde, meint im Skin-Jargon, daß das doch ein "goiler Kampf" war.

Der deutsche IRA-Sympathisant hatte nicht berücksichtigt, daß die organisierten Rechtsextremisten in Großbritannien seit langem enge Kontakte zu den militanten protestantischen Organisationen in Irland pflegen - den (bisherigen) Todfeinden der IRA.

Ein Neonazi als IRA-Sympathisant - das wirkt nur auf den ersten Blick paradox. In Deutschland sehen sich die Rechtsextremisten als Freiheitsbewegung wie die IRA in Irland. Denn noch immer geht in der Naziszene die Mär vom besetzten Land um. Rechts und links - diesen Antagonismus möchten immer mehr überzeugte National-Sozialisten überwinden. So ziert das Titelbild des neo-nazistischen Blattes Der Angriff ein Photo, auf dem eine junge Frau aus dem autonomen Lager bei einer Demonstration von Polizisten bedrängt wird. Die Bildunterschrift: "Die Grenze verläuft nicht zwischen rechts und links, sondern zwischen oben und unten". Auch die kämpferische Parole "Kein Frieden mit diesem Staat!", die einst vom anarchistischen "Schwarzen Block" geprägt wurde, ist heute ein beliebter Neonazi-Slogan.

Seit in den vergangenen zwei Jahren mehrere rechtsextreme Organisationen verboten wurden und der Ermittlungsdruck auf Polizei und Staatsanwaltschaften zunimmt, versuchen die geistigen Führer der NS-Bewegung, sich zumindest an der "Rotfront" Ruhe zu schaffen. Zwar dröhnt ihr Ruf "Rotfront verrecke!" immer noch durch die Straßen, wenn sie demonstrieren, aber Kontakte zu linksradikalen Gruppen gelten nicht mehr als ehrenrührig. Zwar wird weiterhin gegen sogenannte "linke Zecken" gehetzt, aber - so ein FAP-Führer - "mit echten Linken kann ich besser reden als mit irgendwelchen bürgerlichen Kriechern".

So ist es vielleicht keine Prahlerei, wenn der französische Vertreter des europaweiten Netzwerkes rechtsextremer Jugendorganisationen, dem "Mouvement de la Jeunesse d'Europe", in einer Diksmuider Kneipe von vorsichtigen Kontakten zwischen Unterstützern der linksextremen Terrororganisation "action directe" aus Frankreich und deutschen Rechtsextremisten erzählt. In Deutschland aber bleibt die neue Liebe zum Linksextremismus unerwidert.

Die Prügelei zwischen dem deutschen IRA-Sympathisanten und den britischen Skinheads im belgischen Diksmuide wurde aus sicherer Entfernung von einem älteren Herrn im dunkelblauen Anzug beobachtet: "Das ist natürlich asoziales Pack", klärt er einen jüngeren Begleiter auf, "aber vielleicht brauchen wir die noch mal, um die Straßen freizuprügeln." Der ältere Herr, in einer Luxuslimousine angereist, bekleidet einen Posten in einer Filialleitung der Vereins- und Westbank, der drittgrößten deutschen Privatbank. In Niedersachsen gehörte der Mittfünfziger zwanzig Jahre lang zur Führungsspitze der NPD.

Ein anderer dieser besseren Herren ist Claude Cornilleu, Führer der französischen PNFE ("Parti Nationaliste Français et Européen"), der sich selbst gerne als "Mann der leisen Töne" bezeichnet. Er meidet in Diksmuide die lauten Kneipen und hält sich lieber in den bürgerlichen Cafés auf. "Wir wollen alle ein weißes Europa", sagt Cornilleu, "diese vielrassige Demokratie, das ist das größte Übel."

Der Mittvierziger reist in einer gepflegten dunkelblauen Limousine mit Autotelephon durch Europa, verdient viel Geld - unter anderem als Hotelier - und trägt auch bei Auftritten vor kahlgeschorenen Anhängern stets korrekte Anzüge. Seine Reden kann er, falls es die nationale Sache erfordert, auch dreisprachig halten, und für dringende Anliegen bedrängter Gesinnungsgefährten ist sein Büro stets erreichbar.

Der Franzose gehört zu den Vielreisenden der europäischen Naziszene: Die PNFE, deren rotes Banner ein weißes Keltenkreuz ziert, arbeitet selbstverständlich mit den "Jungen Nationaldemokraten" eng zusammen, aber auch mit der "Freiheitlichen Arbeiterpartei" und der "Nationalen Liste" in Hamburg. Legal oder illegal - alle stehen schließlich für die gemeinsame Sache.

Im "Hof zu Flandern" hält der Jugendverband der NPD, die "Jungen Nationaldemokraten", zwar offiziell Distanz zum grölenden "Borussen"- Sigi der FAP. Doch inhaltlich rücken die Gruppen aufeinander zu. Auch die NPD wendet sich angesichts der insgesamt trostlosen parlamentarischen Aussichten zunehmend dem außerparlamentarischen Kampf zu. In der neuesten Ausgabe der Postille Einheit und Kampf empfiehlt NPD-Parteichef Günter Deckert (54) seinen "jungen Kameraden", die "idealistischen Frontkämpfer nicht sinnlos zu verheizen, denn sie werden noch gebraucht". Die Empfehlung des NPD-Chefs macht deutlich, daß der ehemalige Studienrat und amtierende Kreisrat Deckert nicht mehr an eine Wiederholung des Beinahetriumphes von 1969 glaubt: Damals war mit 4,3 Prozent der Wählerstimmen der Einzug in den Bundestag in Reichweite. Jetzt empfiehlt Deckert, es nicht mehr bei "verbalen revolutionären Phrasen" zu belassen, sondern fordert "gezielte Aktionen, die in die Wunden der Schwachstellen des Systems stoßen". Deckert, bekanntgeworden durch die ihm von Mannheimer Richtern bescheinigte Charakterfestigkeit, überläßt dem Parteinachwuchs, darüber nachzusinnen, wie ein solcher Stoß in die Schwachstelle des Systems aussehen könnte. Und die Jungen machen sich so ihre Gedanken. "Noch niemals ist es einer rechten Gruppe gelungen, in den Untergrund zu gehen", schreibt ein Jungnationaler in Einheit und Kampf, obwohl "für einen National-Revolutionär die Bequemlichkeit des Agierens innerhalb der Grenzen des Möglichen vorüber sein muß".

Bis jetzt sind das bei den "Jungen Nationaldemokraten" nur Diskussionen. Doch Kontakte zu ausländischen Organisationen werden seit zwei Jahren nachhaltig ausgebaut; sie verfügen über vieles, was im Untergrund nützlich sein könnte, zum Beispiel viel Geld, Unterbringungsmöglichkeiten oder Druckereien. Noch aber geht es um spektakuläre, wenn auch verbotene Aktionen mit demonstrativem Charakter, die sich nicht direkt gegen Menschen richten. Noch. "Ob sich immer alle zurückhalten können", kommentiert ein Burschenschaftler aus den Reihen der "Jungen Nationaldemokraten" die gegenwärtige Gewaltdiskussion in seiner Organisation, "das weiß man natürlich nie."

Die Zusammenarbeit zwischen der FAP und den "Jungen Nationaldemokraten" ist in den vergangenen zwei Jahren enger geworden: Man lädt sich gegenseitig zu den konspirativen Versammlungen ein und hilft einander mit stämmigen Skinheads für den Saalschutz aus. Während sich die FAP vor allem um die 14- bis 25jährigen Nazi-Skinheads kümmert, sehen sich die "Jungen Nationaldemokraten" als Eliteorganisation.

Deshalb müssen sie nach außen versuchen, die Grenze zu jenen Gruppen zu ziehen, die im einschlägigen Szenejargon "NS"-Lager genannt werden. Denn anders als der militante Teil der Szene oder die martialischen Skinheads ziehen NPD und die "Jungen Nationaldemokraten" ihre Fäden noch weit in bürgerliche und intellektuelle Schichten hinein. Studenten, Lehrer, Professoren oder leitende Angestellte sind Mitglieder - sie alle stehen zwar dazu, ein "Viertes Reich" herbeizusehnen, doch die Hände wollen sie sich nicht schmutzig machen.