Obwohl bei vielen institutionellen Anlegern in den ersten Januarwochen die Anlageausschüsse getagt und die Strategie für 1995 festgelegt haben, schleppt sich das Geschäft sowohl bei den Aktien als auch am Rentenmarkt weiterhin bei kleinen Umsätzen und leicht schwankenden Kursen dahin. Dabei erreichte die durchschnittliche Umlaufrendite öffentlicher Anleihen mit 7,63 Prozent den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Das Engagement der Ausländer in der Mark findet also kaum einen Niederschlag bei inländischen Anleihen. Vielmehr scheint viel Geld in die neuen Geldmarktfonds zu fließen, die als Parkstation dienen. Das wird auch von den meisten inländischen Anlegern so gesehen, die nach den Zinszahlungen am Jahresanfang sehr liquide sind. Den Prognosen, wonach im ersten Halbjahr 1995 die Kapitalmarktzinsen sinken werden, wird nicht allzuviel Vertrauen entgegengebracht.

Das gleiche gilt für den Aktienmarkt, bei dem die Anlageempfehlungen vieler Banken bisher nicht gezündet haben. Selbst ihre hauseigenen Aktienfonds hielten sich bisher mit Neuanschaffungen zurück. Wegen der gestiegenen Zinsen leiden auch die zuletzt favorisierten Finanztitel unter Gewinnrealisationen.

In dieser Woche haben die unruhigen Devisenmärkte das Aktiengeschäft zusätzlich belastet. Das gilt besonders für den unter der mexikanischen Peso-Krise leidenden Dollar. Dadurch gerieten am deutschen Markt die Papiere exportintensiver Unternehmen unter Druck, also in erster Linie Auto- und Großchemie-Aktien. VW-Aktien litten zusätzlich unter Streiks bei der spanischen Tochter Seat.

Zu einer Sonderbewegung kam es bei Viag: wegen des Verkaufs ihrer PWA-Aktien an den schwedischen Papierkonzern SCA zu einem Preis, der um zwanzig Prozent über dem Marktwert der Beteiligung gelegen hat. Spekulative Phantasie kam überdies auf, als das Joint-venture mit British Telecom bekannt wurde, unter dessen Führung die beiden Unternehmen ein gemeinsames Kommunikationsnetz in Deutschland aufbauen wollen. Telekommunikation gehört zu den wenigen Feldern, die an der Börse derzeit noch positive Reaktionen hervorrufen, wie sich auch am Beispiel Mannesmann zeigt. Die Aktien des Mischkonzerns, der auch im Mobilfunk aktiv ist, finden auch im Ausland Liebhaber.