Natürlich hab ich leider recht, der Mensch ist gut, die Welt ist schlecht - wer hat das noch gleich gesagt? Wenn es nicht der alte Peachum war, dann muß es Schulte-Hillen gewesen sein, der Chef des Verlagskonzerns Gruner + Jahr. edition G+J heißt ein monatlicher Digest, der die angenehmsten Geschichten aus der schönen Magazinwelt von stern bis Geo, von Eltern bis art versammelt. Das jüngst verbreitete Faltblatt, das für den journalistischen Blumenstrauß wirbt, beginnt mit den vertrauten katastrophalen Schlagzeilen "nackt, Wahnsinn, pervers, grauenhaft" und sagt: "Entweder so oder . . . edition G+J: Für alle, die gute Geschichten schlechten Nachrichten vorziehen."

Pro bonum, contra malum, sagt hier der Lateiner; zu deutsch etwa: für den Bonus, gegen den Apfel, was, zugegeben, etwas dunkel klingt, aber bei den Sinnsprüchen der Alten verbirgt sich oft Weisheit in Dunkelheit, und gerade deshalb ist dieser Sinnspruch immer der unsrige gewesen, die wir allzeit danach trachten, das Niedrige und Gemeine, also Apfelmäßige, gar nicht erst ins Blatt zu lassen, weil das Böse sowieso schlimm genug ist, sondern im Gegenteil das Gute und Schöne, also Bonu smäßige zu fördern, wo es geht, so wie es ja auch die G+J-Magazine stern und tango Woche für Woche exerzieren bzw. exekutieren.

Frisch ans Werk! Wo ist die gute Nachricht der Woche? Beispiel: Vier Millionen junger Menschen haben in Manila dem Papst zugehört, der vor Mißbrauch der Sexualität und Empfängnisverhütung gewarnt hat. Was daran gut sei, fragt der Leser verdrossen. Nun: Wären auf den Philippinen Pille und Kondom massenhaft in Gebrauch, wäre zur päpstlichen Predigt nicht massenhaft junges Fleisch erschienen, sondern bloß ein paar alte Weiblein wie hier zur Rosenkranzandacht, und der Papst hätte nicht wie der leibhaftige Deus ex machina mit dem Hubschrauber vom Himmel herabsteigen müssen, was alles in allem schade gewesen wäre.

Und noch eine gute Nachricht. Der Außenminister Kinkel hat jetzt ganz deutlich gesagt: "Der Krieg in Tschetschenien, das muß ich jetzt ganz deutlich sagen, verletzt Menschenrechte in nicht hinnehmbarer Weise", wobei er die Frage, wie man Menschenrechte auf hinnehmbare Weise verletzt, klug, wie er nun mal ist, offengelassen hat.

Diese Mischung aus Deutlichkeit und Dezenz ist doch, ebenso wie die himmlische Herabkunft des Pontifex, eine schöne runde Sache, der gedient zu haben wir dringlich hoffen, wir, das freundliche Kollegium von der edition