Mit der Entwicklung der Hütte zum industriellen Großunternehmen veränderte sich auch Völklingen. Aus dem Dorf wurde eine mittlere Stadt. Arbeiter aus dem ganzen Saarland siedelten sich in Völklingen an.

Im Zweiten Weltkrieg blieb das Hüttengelände unzerstört. Der Saarstatus verhinderte die Demontage nach dem Krieg. Und so blieb die Hütte mit ihren Produktionsstätten aus dem 19. Jahrhundert, die nach wie vor das Herz der Anlage bildeten, erhalten. Als dann Anfang der siebziger Jahre die Stahlkrise kam, hißten die Arbeiter schwarze Fahnen. Parteien und Politiker bekannten sich zu Kohle und Stahl. Milliarden flossen in das kleine Saarland zur Rettung der Hütte. Aber nichts half. Am 4. Juli 1986 wurde die Roheisenherstellung eingestellt. Das Ende der Hochofenzeit war gekommen, wenn man will: "das Ende der Eisenzeit".

Während die Stadt nun mit der verschärften Strukturkrise zu kämpfen hatte, mit der steigenden Arbeitslosigkeit, mit verseuchten Böden und Gewässern als Folge der jahrhundertelangen industriellen Nutzung, formierten sich gleichzeitig auch diejenigen, die die Einmaligkeit der Hütte erkannten und sie als Denkmal erhalten wollten. Einer der entschiedensten Promoter für eine kulturelle und vor allem museale Nutzung war Landeskonservator Peter Lüth. Er wollte die Hütte im Originalzustand erhalten, während andere dafür plädierten, den Industriegiganten als Denkmal verrotten und verrosten zu lassen. Im August 1993 beantragte Lüth auf Wunsch des saarländischen Wissenschafts- und Kulturministers bei der Unesco, die Hütte in die "Liste des Weltkulturerbes" aufzunehmen.

Die Entscheidung hat den Völklingern neues Selbstbewußtsein gegeben. Eine siechende Industriestadt - das war meist alles, was man außerhalb des Saarlandes von Völklingen bis zur Unesco-Entscheidung wußte. Und wenn Völklingen schon einmal nicht mit der Stahlkrise zusammenhängende Schlagzeilen machte, dann solche: RTL ernannte Völklingen 1993 nach einer selbst initiierten Umfrage zur "häßlichsten Stadt Deutschlands". In Focus gestand Oberbürgermeister Hans Netzer, er sehe den "Tag in weiter Ferne", an dem Völklingen wieder einen ausgeglichenen Haushalt habe. Die Frankfurter Rundschau schrieb vom "Eindruck einer verblühenden Stadtlandschaft" und zitierte einen Einheimischen, der zu berichten wußte, daß es immerhin am Völklinger Bahnhof die beste Currywurst Europas gebe.

Nun gibt es in Völklingen also nicht nur die beste Currywurst Europas, sondern auch ein Weltkulturerbe. Oberbürgermeister Netzer ist guter Dinge: Was den Trierern die Porta Nigra, den Parisern der Eiffelturm, muß den Völklingern die Hochofen-Skyline sein."