Der Verein feiert Fasching. Haha! Sogar für ein Stimmungsduo hat das Geld diesmal gereicht: Manfred hat die Blueboys engagiert. Und die sind ja so was von blue, die Blueboys; mein lieber Herr Gesangsverein! Und für das restliche Programm sorgt wie immer die Gisela. Und da ist sie auch schon am Telephon, die Gisela, und jubelt: "Du! Bist du so lieb und schreibst uns emal äbbes Witzisches für unser Pardy?! Du kannst des doch." Und ich frag`: "Was soll ich denn schreiben?" Und Gisela sagt: "Ei, ä Büdderett! Ä witzische!"

Und dann ist sie wieder da, die Stunde der Last-minute-Büttenrede, die überall gleich beliebt ist: Vereinsfastnacht, Betriebsfastnacht, Jugendgruppenfastnacht, Jahrgangsfastnacht, Gefängnisfastnacht . . . tätää, tätää!

Und Gott sei Dank hält die Buchhandlung rund zehn verschiedene "Reimlexika" bereit, wo nach Endungen sortiert gelistet steht, daß sich laufen auf saufen reimt und Klopapier auf Flaschenbier, und dann setzen wir uns mit Erna und Winfried in die Kneipe und schreiben all die wahnsinnig lustigen Begebenheiten aus den letzten paar Monaten auf: daß die Almut beim Betriebsfest auf den Tisch gespuckt hat ("Sie trank, wie schon nicht mehr seit Wochen / und hat dann auf den Tisch gebrochen" - tätää!), daß Herbert seinen BMW gegen eine Parkbank gesetzt hat ("Da hat der Kerl in seinem Tran / doch glatt `ne Parkbank überfahr`n! - tätää!"), daß Rüdiger morgens um sechs total hektisch zur Arbeit gerannt ist, "und vor der Firma merkte er / daß Sonntag ja g ewesen wär`" - tätää, tätää, tätää!

Und die Blueboys spielen einen Tusch nach dem anderen, und alle lachen sich Trä-nen! Trä-nen lachen die sich! Im Ernst! Und die wichtigsten Wörter in allen guten Büttenreden sind "trinken", "Bier", "Auto", "saufen" und "Was haben wir gelacht"! Und weil nicht jeder so ungeheuer originell und witzisch reimen kann wie wir, deshalb gibt es für die ganz Ideenlosen drei Pfund Faschingsliteratur im Faschingsfachhandel!

Da gibt es "Männerbütten" und "Frauenbütten" und "Ärzte in der Bütt" und "Pfarrer in der Bütt" und "Tiere in der Bütt". Und wer nicht reimen will, der darf auch Prosa vortragen. Ja logisch, das ist erlaubt, da hat die Gisela gar nichts dagegen; nur witzisch muß es sein! Aber Witzischkeit ist ja auch wirklich ü-ber-haupt kein Problem mehr in den Zeiten des aufgeklärten Karnevalisten-Fachhandels! Da findet sich doch schon seit Mitte Januar in jedem gutsortierten Buchhandel das liebevoll mit Luftschlangen dekorierte Witzbuch-Tischchen! Und was gibt es da nicht für günstige Angebote: "1000 tolle Herrenwitze" im formschönen, knalligbunten Paperback für nur fünf Mark! Ja, wissen Sie, was da ein Witz kostet? Quasi nix!

Beispiel: Kommt eine Frau zum Bäcker und sagt: "Ich hätte gerne 99 Brötchen" - "Ach, da nehmen Sie doch gleich 100!" - "100 Brötchen? Wer soll denn die alle essen?!" Hahahahaha!!

So witzisch! Und soo neu! Und soo billig!! Und wenn wir statt "Frau" einfach die blöde Melanie aus der Buchhaltung nehmen, dann kriegt das Ganze sofort auch noch einen total persönlichen Bezug: "Da kommt die Melanie zu der Frau Hartmann in die Kantine und sagt . . ." Haha! Und jetzt noch hurtig das Reimlexikon gezückt und ruck, zuck ist die Bütte fertig: "Die Melanie kommt in die Kantine gelaufe / Und wollt` 99 Brötchen sich kaufe / Da sagt die Frau Hartmann: ,Nimm` doch 100 statt desse!` / Und die Melanie sagt: ,Wer sollen denn die alle esse?`" - Tätää!