RTL plus, montags: "Otto - die Serie"

Einst, in Ottos großen Zeiten, hätte man niemanden mit Überrumpelung oder Folter dazu nötigen müssen, dem Otto-Fanclub beizutreten. Die Quote bildete ihn in fröhlicher Geschlossenheit. Jetzt, allzu viele Jahre später, baut Otto mit Eigensatire vor. Lachen soll man darüber, daß die Leute ihr Geld zurückwollen und vor ihrem einstigen Lieblingsspaßmacher davonlaufen. Aber so was ist nicht komisch, wenn es wirklich stimmt.

Vielleicht sind Witz und Charme von Otto Waalkes an eine Zeit gebunden, in der es noch Sinn hatte, Reklame zu veralbern und sich über idiotische Fernsehsendungen lustig zu machen; mittlerweile sind Werbespots und Schlagerparaden längst ihre eigenen Satiren, ob sie das nun immer wissen oder nicht. Die Zuschauer aber wissen mit Sicherheit, daß Gesichtscremereklame doof ist; die Cremeproduzenten und die Werbeagenturen wissen es auch, und sie machen trotzdem ihren Job. Wir alle leben mit der Idiotie - zumal wir Fernsehgucker. Kritik und Aufklärung haben das bewirkt, sie waren sehr erfolgreich. Sie haben zwar den Unfug nicht aus der Welt geschafft, uns allen aber ein Bewußtsein davon vermittelt, daß wir von ihm umstellt sind. Niemand muß uns das noch nahebringen - auch nicht in komischer Form. Zumal sich als ein bislang unterschätzter anthropologischer Grundzug, die Freude am Stumpfsinn, hervortraut und geltend macht.

Das Herzstück der neuen Otto-Serie sind allerdings nicht die satirischen Sketche, sondern die Nonsens-Sequenzen. In diesem Fach war Otto immer gut, jetzt soll er das als Gast ("Baby Otto") in einem Umschnitt alter Edgar-Wallace-Filme neu beweisen. Otto also meets Klaus Kinski und Elisabeth Flickenschildt - und seltsam, er bewegt sich hier unter Mumien als Gleicher unter Gleichen. Es ist, als sei das augenrollende und lippenzitternde Krimipathos der frühen sechziger Jahre gegen jegliche Verfremdung immun - worum es ging, war immer schon egal, und ob Otto noch in all dem Quark mit rumrührt, macht echt keinen Unterschied mehr. Jedenfalls wirkt er nie als Fremdkörper - egal, in welcher Gestalt er den verwelkten Kinozauber aufwirbelt. Vielleicht sind die gewiß mit viel technischer Sorgfalt hergestellten Wallace-Szenen deshalb so wenig komisch, weil aller Aufwand unter einem Zuviel an Patina verpufft. Otto ist nicht mehr der Jüngste - was zunächst kein Einwand sein soll, jedoch liefert er nur die alten Gesten und Gesichter, sogar die alten Stimmübungen. Die Welt hat sich seit "Milz an Großhirn" ja doch ein Stück weitergedreht, und sie ist nicht zurück in die Sechziger zu Joachim Fuchsberger und Karin Dor gerollt. Im Klartext: Ein glückliches Comeback hätte es für Otto nur gegeben, wenn er sich in die neunziger Jahre reingetraut hätte, anstatt sich ausgerechnet im Mittelalter des deutschen Filmschaffens zu verkriechen. Und wenn er konsequent darauf verzichtet hätte, alte Erfolge wie "English für Insiders" zu variieren und damit zu Tode zu reiten.

Er kann noch immer komisch sein, und manchmal blitzt es durch, sein schönes Talent zum Schabernack. So, wenn er angesichts einer Karambolage trocken befindet: "Kaninchen gehören nicht an das Steuer eines Kraftfahrzeugs." Oder wenn er die Gräfin, deren Schildkröte er suchen sollte, über den Verlust des Lieblings, der leider plattgetreten wurde, so hinwegtröstet: "Sie paßt jetzt besser in die Plattensammlung."