Als ich die Memoiren von Felix Somary vor ziemlich genau 35 Jahren, im Februar 1960, anzeigte, kam ich zum Ergebnis, sie seien wohl neben die Schriften Max Webers zu stellen. Das wird heute so leicht keiner verstehen. Weber ist zum Säulenheiligen der bundesrepublikanischen Politik geworden. Niemand, der im Establishment etwas werden will, darf versäumen, sich auf Webers "Verantwortungsethik" zu berufen. Somary ist so gut wie vergessen.

Das war damals anders. Ich hatte noch die alte Soziologie der Gumplowicz, Salomon, Franz Oppenheimer im Kopf. Ihr zufolge ist der Staat formal eine Rechtsinstitution, die von einer siegreichen Minderheit einer Mehrheit auferlegt wird, um sie inhaltlich zu bewirtschaften. Genauer gesagt, sich den Arbeitsertrag der Mehrheit mit möglichst geringem eigenen Aufwand auf Dauer anzueignen.