Deutschlands Hochschullehrer verkennen den Ernst der Lage. Während die Universitäten der Republik immer tiefer in die Krise steuern, sind 64 Prozent aller Hochschullehrer mit ihrer Situation "ausgesprochen zufrieden"- so eine jüngst vom Bildungsministerium publizierte Umfrage.

Mit der heilen Welt, die sich die Professoren offensichtlich immer noch vormachen, dürfte es bald vorbei sein. Den Hochschullehrern droht eine Roßkur ohnegleichen: Qualitätsauslese durch Wettbewerb, Zensuren und Mehrarbeit, Einschnitte bei Freiheit von Forschung und Lehre, knallhartes Management statt eitler Selbstbestimmung, Leistungslohn statt lebenslanger Besoldung.

Auch die Studenten werden nicht ungeschoren davonkommen. Verschärfte Zulassungsbedingungen und straffere Studiengänge werden unumgänglich. Dazu noch ein Menetekel besonderer Art: Studiengebühren.

Reform tut allerdings auch not. Die hoffnungslos verstopften Hochschulen sind dem Ansturm der Studenten längst nicht mehr gewachsen. In den Tempeln der Wissenschaft ist Chaos eingekehrt.

Ernst ist die Lage schon seit langem. Doch obwohl der Wissenschaftsrat, das für Hochschulen, Wissenschaft und Forschung oberste Gutachtergremium der Nation, seit Jahren Alarm schlägt, hat die Politik bisher alle Warnungen unbeachtet gelassen. Das zunehmende Gedränge an den Hochschulen wurde leichtfertig als Übergangsproblem der geburtenstarken Jahrgänge abgetan.

Doch von Übergang kann keine Rede sein - im Gegenteil: Nicht weniger, sondern mehr Abiturienten drängten in die Hörsäle und Institute. Der Nachwuchs hat frühzeitig erkannt, daß das Risiko der Arbeitslosigkeit für Hochschulabgänger geringer als für andere Arbeitnehmer ist. Viele sichern sich zudem zusätzlich ab. Rund vierzig Prozent aller Gymnasiasten machen nach dem Abitur erst einmal eine handfeste Berufsausbildung. An den Hochschulen hat sich der Anteil der Studenten mit abgeschlossener Lehre von 13 auf 27 Prozent mehr als verdoppelt. Und wenn sich das unlängst nun auch für Meister und vergleichbare Qualifikationen geöffnete Modell "Studium ohne Abitur" in Nordrhein- Westfalen bundesweit durchsetzt, ist mit einem weiteren Ansturm auf die Hörsäle zu rechnen.

Immerhin: Der ungebrochene Run auf die Hochschulen belegt einen erstaunlichen Erfolg der Bildungsoffensive aus den sechziger und siebziger Jahren. Höhere Bildung ist nicht mehr das Privileg einer bestimmten Gesellschaftsschicht. Während sich 1960 gerade einmal 8 Prozent eines Altersjahrgangs zum Studium einschrieben, sind es heute bereits knapp 36 Prozent.