Donald Pearlman wird wieder grimmig warnen, wenn in der kommenden Woche in Berlin die Klimakonferenz der Vereinten Nationen beginnt. Der Cheflobbyist der US-Kohle- und Ölindustrie und seine mehr als dreißig Ökonomen und Juristen von der Global Climate Coalition werden den Delegationen im Internationalen Congress Centrum vor allem eine Botschaft verbreiten: Klimaschutz und Energiesparen bedeuteten den sicheren Weg in die Armut und das Todesurteil für jede Form von Industrie.

"Solche Ansichten vertritt nur der konservativste Teil der Industrie", sagt Peter Garforth von der Landis & Gyr Management AG im schweizerischen Zug: "Viele Wirtschaftsbranchen würden von einer entschlossenen Klimaschutzpolitik profitieren, aber sie verschaffen sich bei den Politikern nicht genügend Gehör." Damit sich das ändert, werden Garforth und Unternehmerkollegen aus ganz Europa am Freitag der ersten Konferenz-Woche in Berlin zur Gründung eines European Business Council for a Sustainable Energy Future aufrufen. Dieser Unternehmensrat für eine sinnvolle Energiezukunft will künftig auf internationalen Klimakonferenzen, bei der europäischen Kommission in Brüssel und in den europäischen Hauptstädten auf Energiesteuern drängen, erneuerbare Energiequellen durchsetzen und gegen Subventionen für klimaschädliche Techniken kämpfen.

Die Unterzeichner des Gründungsaufrufs, darunter Carlhanns Damm von der AEG-Haushalts-Geräte GmbH, der Konstrukteur Ludwig Bölkow, das Mailänder Stahlwalzwerk Finarvedi und Karl Heinrich Maier vom Degussa-Konzern, sind sich einig: Es gibt genug Technologien und Konzepte für die Energiewende, aber viel zuwenig politische Unterstützung. Europa sei wieder einmal im Begriff, einen Zukunftsmarkt zu verschlafen. Während der Auftaktveranstaltung in Berlin werden sich Bundesumweltministerin Angela Merkel und Lee Tzentis, Europa- Vizepräsident des Chemieriesen Dow, für die Effizienz-Revolution stark machen: Wenn der Lebensstandard und die Gewinne in den nächsten hundert Jahren erhalten werden sollen, müßten das Klima geschützt und die Kohlendioxidemission drastisch gesenkt werden.

Das Washingtoner Worldwatch-Institut und die Bonner Nord-Süd-Initiative Germanwatch stehen bei der Gründung Pate, wollen den Unternehmerverband aber möglichst bald auf eigene Füße stellen: "Bisher haben sich die Anbieter von Effizienztechnologien und die Anbieter von erneuerbaren Energien meist getrennt organisiert, möglicherweise weil sie sich als Konkurrenten sahen", sagt Germanwatch-Kampagneleiter Christoph Bals: "Im Business-Council werden sie an einem Strick ziehen."

Auch Landis & Gyr-Manager Peter Garforth will im neuen Unternehmensrat Energieerzeuger und Energieabnehmer zusammenführen: "Weniger Energienachfrage heißt auch weniger Investitionskosten auf der Kraftwerkseite und deshalb höhere Gewinne", sagt Garforth, der gerade im großen Stil polnische Fernwärmesysteme saniert und die Investitionen durch die eingesparten Energiekosten finanziert. Mit der Ausnutzung von bisher nicht erkannten Einsparpotentialen und mit energieeffizientem Gebäude-Management beschäftigt Landis & Gyr inzwischen weltweit 16 000 Mitarbeiter.

Vorbild für den European Business Council for a Sustainable Energy Future, für den wohl noch ein kürzerer Name gesucht werden muß, ist ein ähnliches US-Gremium. Schon 1992 hatten sich in den Vereinigten Staaten Hersteller von Solarzellen und Brennstoffzellen, fortschrittliche Stromversorger, Produzenten von Isoliermaterialien und Windenergieanlagenbauer zusammengeschlossen, um die Lobby-Vormacht der Öl- und Kohleindustrie in Washington und bei internationalen Klimaverhandlungen zu brechen.

Immerhin werden der amerikanische und der neue europäische Verband während der Berliner Verhandlungen gemeinsam verhindern können, daß Kohle- und Öllobbyist Donald Pearlman in einer offiziellen Rede im Namen der gesamten Industrie vor dem Energiesparen warnen darf.