Eine starke Nachfrage nach öffentlichen Anleihen hat die durchschnittliche Rendite unter die Marke von sieben Prozent gedrückt. Käufer festverzinslicher Papiere waren sowohl In- als auch Ausländer. Die Profis von den Investmentfonds und von den Versicherungen glauben auch auf Basis der gesunkenen Zinsen mit Rentenanlagen noch auf der sicheren Seite zu liegen.

Der Mut zu Aktienkäufen scheint hingegen weitgehend verlorengegangen zu sein, zumal die Ausländer in jüngster Zeit vor allem deutsche Aktien verkauft haben - in der Hauptsache, um Währungsgewinne zu realisieren. Aber auch die von den meisten Analysten reduzierten Gewinnschätzungen für 1995 und 1996, bedingt durch die Währungssituation, hat das Interesse an deutschen Aktien sinken lassen.

Gleichwohl ist der Optimismus der Börsianer nicht völlig verschwunden. Aber sie sind mit ihren Prognosen bescheidener geworden. Kaum jemand spricht mehr von einem Stand des Deutschen Aktienindex (Dax) von 2500. Wenn sich der Dax bei 2000 stabilisieren würde, wäre im Augenblick schon viel erreicht, ist zu hören. Chancen dafür gäbe es, wenn sich die Lage an den Devisenmärkten beruhigt. Prognosen, wonach sich der Dollar in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf 1,00 bis 1,20 Mark zurückbilden wird, lassen die Börsianer zur Zeit noch kalt.

Die wenigen Käufe deutscher Anleger konzentrieren sich vor allem auf die Aktien der großen Versorgungsunternehmen, die zu den Profiteuren der starken Mark gehören. Trotz der keineswegs rosigen Aussichten des Einzelhandels hält sich auch eine stetige Nachfrage nach Karstadt- und Kaufhaus-Aktien. Scheinbar in der Hoffnung, daß der Konsum spätestens im kommenden Jahr wieder deutlich zulegen wird, aber auch in der Annahme, daß die feste Mark die Einkäufe im Ausland verbilligt und so die Margen verbessert.

Die Analysten der Kreditinstitute nehmen zur Zeit Branche für Branche und Unternehmen für Unternehmen unter die Lupe. Dabei gehen sie davon aus, daß die Autoindustrie zu den ersten zählen wird, die unter den veränderten Währungsverhältnissen zu leiden haben wird, genauso auch die Stahlproduzenten. Der Maschinenbau wird in diesem Jahr noch von seinen Auftragsbeständen zehren können. Aber 1996 wird es dann auch für ihn heikel werden. Das ist aber nur ein Grund für die in jüngster Zeit deutlich rückläufigen Notierungen der Linde-Aktien. Druck kommt bei diesem Wert von der laufenden Kapitalerhöhung. In der gegenwärtigen Börsensituation ist es schwierig, frisches Geld lockerzumachen.