Als Tiny Rowland vor über zwei Jahren den Deutschen Dieter Bock zu Lonrho holte, um mit ihm die Geschäfte des hochverschuldeten Mischkonzerns zu führen, war er noch begeistert: "Wir sind ein Herz und eine Seele." Von dieser Harmonie ist nichts geblieben, zwischen den beiden kracht es gewaltig. Der 55 Jahre alte Bock hat den einstigen Platzhirsch verjagt, kurz nachdem er ihm "Elan, Initiative und Geschäftssinn" bescheinigt hatte. Der 77 Jahre alte Rowland indes, der mehr als drei Jahrzehnte an der Spitze des hauptsächlich in Afrika tätigen Unternehmens stand, klagt wegen der Entlassung auf über eine Million Pfund Schadenersatz. Gerichtlich will er seinen einstigen Kronprinzen auf Einhaltung von Versprechen über Aktiengeschäfte zwingen. Überdies bekriegt er den Mann aus Frankfurt mit einem fünfzehn Seiten langen Brief an die 56 000 Lonrho-Aktionäre, den er außerdem als Anzeige im Handelsblatt veröffentlichte.

Die Hauptversammlung in London am Freitag dieser Woche verspricht lebhaft zu werden. Rowland plaudert in seinem Rundbrief aus dem Nähkästchen. Er attestiert dem nun alleinigen Chief Executive Bock für seine Lonrho-Jahre "sehr geringe Managementfähigkeiten". Auch die Geschichte seiner Immobilienfirma Advanta sei gekennzeichnet durch "unternehmerisches Versagen und Mangel an Rechnungslegung".

Die Aktionärsversammlung dürfte zur Posse werden. Der Vorstand hat auf die Tagesordnung die Wahl von Rowland zum Präsidenten gesetzt, empfiehlt den Aktionären wegen des Zerwürfnisses aber jetzt die Ablehnung des eigenen Vorschlags. Todfeind Bock indessen muß wegen einer früheren Zusage - er hält 18,6 Prozent der Aktien - dafür stimmen. (Rowland hält noch 6,3 Prozent.)

Dabei fing alles so freundlich an, als Bock mit von der BfG Bank geliehenem Geld Lonrho zu Hilfe kam und im Wege einer Kapitalerhöhung 85 Millionen Pfund in die angeschlagene Gesellschaft

steckte. Außerdem kaufte er Rowland Lonrho-Aktien für fünfzig Millionen Pfund ab. Die Entfremdung begann, als Bock - so Rowlands Version - zur Bezahlung des Paketes Advanta-Aktien anbot, Rowland aber auf Geld bestand.

Bock verkaufte dann Lonrhos fünfzigprozentige Beteiligung an dem Handelsunternehmen Krupp Lonrho im August 1993 für 282 Millionen Mark an Hoesch-Krupp. "Zum Schleuderpreis", wie Rowland jetzt behauptet. Kurz zuvor hatte Bock als seine erste große Amtshandlung als Generaldirektor die Gesellschaft Gewog mit ihren 4300 Wohnungen im südwestdeutschen Raum an ungenannte Personen abgestoßen. Diese Transaktion habe jetzt zu seinem Hinauswurf geführt, berichtet Rowland, denn auf sein Verlangen, die Gewog-Akte dem Vorstand vorzulegen, sei Bock außer sich vor Wut geraten und habe ihn des Hauses verwiesen.

Bock dirigiert seine eigenen privaten Gesellschaften in einem Schattenreich. Zugleich ist er Generaldirektor der börsennotierten Publikumsgesellschaft Lonrho. Diese mit Usancen in Großbritannien schwer verträgliche Kombination will Rowland gegen ihn nutzen. Er verlangt, Lonrho müsse sich nun "vergewissern über Stabilität und Erfolg, Nettovermögen und Gesamtverschuldung des privaten Firmennetzes, das Bock in Deutschland, Holland und anderswo betreibt".