Uns Bewohnern des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist die Idee elektronischen Geldes nicht mehr fremd. Unsere Scheck- oder Kreditkarten sind im Prinzip lediglich Träger eines leicht antiquierten Magnetstreifens, entscheidend sind die darauf gespeicherten Ziffern, die ins vollelektronisierte Zahlungssystem eingespeist werden müssen.

Just in der Computerwelt par excellence, auf der sogenannten Datenautobahn, fehlt das elektronische Geld aber noch. Weil sich bislang kein gutes zuverlässiges und einfaches Verfahren für das Bezahlen im Netz durchgesetzt hat, müssen all jene warten, die von Goldgräberzeiten auf der Infobahn träumen.

Das globale Internet zeigt heute das Modell dieser vollvernetzten Zukunft - und all ihre möglichen Probleme. Wer Kreditkartendaten unverschlüsselt versendet, muß wissen, daß sie über mehrere Rechner laufen, bis sie beim Empfänger ankommen, und daß sie von technisch versierten Gaunern unterwegs abgefangen werden können.

Rund 4000 Firmen akzeptieren heute im Internet Bestellungen per Kreditkarte und führen sie ähnlich sorglos aus wie die Bestellungen, die über Faxgeräte eintrudeln (und vor Betrug auch nicht sicher sind).

Auf der weltweiten digitalen Wiese haben sich schon richtige Einkaufszentren entwickelt: CommerceNet, Internet Plaza, Internet Mall, das Internet Shopping Network oder der Online Market bieten allerhand Händlern ihr Plätzchen, vom Schmuckhandel bis zum weltgrößten Angebot an Sanitärabflüssen.

Daß trotz der Offenheit keine spektakulären Gaunereien bekanntgeworden sind, liegt nicht nur an den vergleichsweise kleinen Beträgen, die heute über das Netz fließen. Die Banken und Kartenorganisationen sind betrogenen Kunden gegenüber sehr kulant. Sie wittern ein Zukunftsgeschäft, das sollte man sich nicht durch schlechte Nachrichten sabotieren.

Die Marktforscher von Dataquest erwarten, daß zur Jahrtausendwende Geldströme von 200 Milliarden Dollar jährlich auf der Infobahn unterwegs sein werden; für die Zeit danach sagen sie eine exponentielle Steigerung voraus. Dazu kommt, daß das Netzpublikum als technische Avantgarde, als konsumfreudige und wohlhabende Klientel gilt.