Nach 34 Jahren an der Spitze des Mischkonzerns Lonrho war es für Tiny Rowland ein trauriger Abgang. Auf der Hauptversammlung in London erhielt der 77 Jahre alte Mann in der Abstimmung nach Kopfzahl fast die erforderlichen 75 Prozent. Aber das Ehrenamt des Präsidenten wäre ihm ohnehin versagt geblieben - die entscheidende Abstimmung nach Kapitalanteilen erbrachte eine große Mehrheit gegen Rowland.

"Es war nur ein Geplänkel", resümierte der silberhaarige Patriarch und Intrigant. Er werde "nicht müde werden, herauszufinden, wer Bock wirklich ist", dessen undurchsichtigen Immobiliengeschäften außerhalb von Lonrho er auf die Spur kommen will. Dieter Bock, Aufsichtsratsvorsitzender der Frankfurter Immobilienfirma Advanta, stieg mit von der BfG-Bank geliehenem Geld Ende 1992 bei Lonrho ein. Er kontrolliert über achtzehn Prozent des Kapitals und ist nach Rowlands Abgang alleiniger Generaldirektor.

Zwar war der Mörder vornehm gekleidet, aber er hatte keinen Stil: Seine tödliche Kugel traf das Opfer, Maurizio Gucci, von hinten. Mit der Ermordung des letzten Mitgliedes der Familie Gucci endet eine Ära. Maurizio Gucci, der 46 Jahre alt wurde und das letzte Drittel seines Lebens im Streit mit seinen beiden Vettern Paolo, Roberto und Giorgio verbrachte, hatte seine Familienbeteiligung von fünfzig Prozent am feinen Modehaus Guccio Gucci vor zwei Jahren an die arabische Investcorp von Nemir Kirdar verkauft.

Die Vettern hatten schon fünf Jahre vorher Kasse gemacht und ihre Hälfte für 160 Millionen Dollar an die arabische Gruppe verkauft. Die Investcorp drängte den verschuldeten Maurizio, der mehr eine Last als ein Aushängeschild geworden war, schließlich für vermutlich nur hundert Millionen Dollar hinaus.

Der Anfang vom Ende begann, als sich die Vettern 1982 in der Hauptversammlung prügelten. Zum Schluß, beim Verkauf seiner Aktien, mußte Maurizio Gucci den neuen Herren aus dem Orient Brief und Siegel darauf geben, daß er nie mehr in dieser Branche tätig werde. Nun interessiert sich die Kripo unter anderem für die letzten, unbekannten Geldgeber, die Maurizio Gucci dreißig Millionen Dollar vorschossen, welche er zur Auflösung seiner Aktien vor dem Verkauf seiner Beteiligung brauchte.

Jeder Bluttest könnte es bestätigen: Thomas Kirch ist der Sohn von Leo Kirch, dem Medienmogul. Daß er aber mit seinem Vater in geschäftlichen Fragen verbandelt sei, gilt im Kirchschen Dunstkreis als böse Fabel. Und das, obwohl der Filius mit 47,5 Prozent bei der Pro-Sieben-Gruppe mitmischt, die mit Vorliebe Filme und Serien aus den Kühlhäusern von Leo Kirch und dessen Partner Otto Beisheim abnudelt. Auch auf dem Organigrammentwurf der Kirch-Gruppe tauchte der Sohn schon einmal auf.

Jetzt soll reiner Tisch gemacht werden. Der 37 Jahre alte Sproß hat in Unterföhring ein eigenes Unternehmen ins Handelsregister eintragen lassen, die Thomas Kirch Communication GmbH. Der Geschäftszweck: Erwerb von Beteiligungen im Bereich elektronischer Medien und fernsehverwandter Dienste.