Liebhaber der Literatur und des Reisens können nun, wenn sie das Buch "Hotels. Ein literarischer Führer" zur Hand nehmen, auf den Hotelspuren ihrer Lieblingsautoren wandeln. Unter Schriftstellern scheint die Affinität zum Hotel besonders ausgeprägt zu sein, wenngleich nicht immer so stark wie bei Joseph Roth, der sich als "Hotelbürger, als Hotelpatriot" empfand. Die einen waren, aus politischen Gründen etwa, gezwungen, ihr Domizil dort zu suchen, die anderen taten es aus purem Vergnügen.

Von Goethe bis Stefan Zweig reicht der Reigen der ausgewählten Dichter und ihrer Hotels. Komödien haben sich in den Zimmern, Bars und Restaurants abgespielt und auch Tragödien, Einschneidendes und Erheiterndes. Große Kümmernisse und kleine bewegten die Dichter und Denker. Thomas Mann und Hermann Hesse erwiesen sich als besonders lärmempfindliche Gäste. "Nachts tadelnswerte Störung durch lärmende Gäste", notiert Thomas Mann in seinem Tagebuch während eines Aufenthalts im "Waldhotel National" in Arosa, das im vorliegenden Buch fälschlich als "Neues Waldhotel" ausgewiesen ist. In seinem Roman "Kurgast" hat Hermann Hesse eigene Erfahrungen während seiner Kuraufenthalte im Hotel "Verenahof" in Baden bei Zürich zu einem langen Klagelied verarbeitet.

Auszüge aus Romanen und Erinnerungen, aus Tagebüchern und Biographien bilden das Gerüst des liebevoll komponierten Bandes. Die literarischen Texte stehen im Mittelpunkt, erläutert mit sparsamen Kommentaren der Herausgeberin. Ein Anhang gibt ausführliche Literaturhinweise. Und zu jedem Hotel sind Adresse, Telephonnummer und Preise angegeben.

Wer sich an den Autoren orientiert, kann Joseph Roths Umzügen von Hotel zu Hotel, von Ort zu Ort folgen.

Venedig-Liebhaber treffen unter anderem Kafka im Hotel "Gabrielli Sandwirth". Oder Thomas Mann im "Hôtel des Bains", dem er in seiner Novelle "Der Tod in Venedig" ein unvergleichliches Denkmal setzte. Im Hotel "Danieli" kann der Leser den Beziehungs- und Liebeswirrnissen zwischen George Sand und Alfred de Musset beiwohnen, aber auch alten Bekannten begegnen wie Dickens, Balzac, D'Annunzio und Marcel Proust, um anschließend ins "Gritti Palace" zu wechseln, wo eine Suite an den Aufenthalt Ernest Hemingways erinnert.

Das hübsch ausgestattete und mit vielen Photos illustrierte Buch fördert die Reise- und die Leselust gleichermaßen, so daß man auch über einige kuriose Fehler hinwegsieht. Schade jedoch, daß - ungeachtet der subjektiven Auswahl - das "Algonquin" in New York fehlt. Dort wohnten nicht nur Thomas Mann, Peter Handke ("Der kurze Brief zum langen Abschied") und John Updike. "Alle", wie Wolfgang Koeppen, selbst Hotelgast, einmal schrieb, "von Poe bis Hemingway" haben hier ihre trockenen Martinis in der Bar des Hotels getrunken.

Lis Künzli (Hrsg.):