Ein delikates Thema für eine Kunstausstellung: "Gefälscht und kopiert haben Menschen schon immer, nur noch nie in diesem Ausmaß", so hieß es jammervoll in der Ankündigung. Wer aber war es, der da die neue Dimension des Fälschens und Kopierens beklagte? Es war die Firma Microsoft, die es wissen muß. Schon rückte sie dem Übelstand entschlossen mit einer Kunstausstellung und einem neuen Kunstpreis zu Leibe - unter dem Namen "Software-Piraterie - Kopie - Plagiat - Fälschung". Ausgelobt wurde der Preis von dem US-Softwaregiganten auf der CeBIT zusammen mit der Daimler-Benz-Tochtergesellschaft Debis Systemhaus.

Gefragt waren nicht ästhetisch überzeugende Lösungen für das Problem, verräterische Seriennummern aus raubkopierten Programmen zu löschen; gefragt war vielmehr eine kunstsinnige Reflexion auf das freche Mopsen der Programme. Das Preisgeld betrug insgesamt 35 000 Mark.

Gewiß: Wer kann, der kauft. Vor einigen Wochen ersteigerte der Microsoft-Chef Bill Gates in einem spektakulären Coup das einzige Manuskript von Leonardo da Vinci, das im Privatbesitz zirkuliert. Der vorherige Eigentümer, der schwerreiche Armand Hammer, hatte das Manuskript 1980 für 5,6 Millionen Dollar erworben, weshalb es vierzehn Jahre lang in der Kunstwelt unter der Bezeichnung "Codex Hammer" lief. Nun, da Bill Gates 30,8 Millionen dafür auf den Tisch legte, soll es, so will es Bill, als "Codex Gates" auf Museumstour gehen.

Kunstwerke haben ihre Schicksale, müssen manchmal krumme Wege gehen. Auf Reisen sind mittlerweile auch die Stücke, die für den Microsoft-Preis "Software-Piraterie" eingereicht waren. Sofern sie nicht schon vorher Opfer ihres Themas wurden. So etwa raubten kunstsinnige Messebesucher bald nach Start der CeBIT die "Raubameise" von Darko Gol (3750 Mark).

Der vom Künstler festgesetzte Preis wurde von der Versicherung erstattet - sie führte das Werk in der Kategorie "Mobiliar, Standdekorationen, Verpackungen" -, freilich war vorher zu klären, daß ein Original und keine Kopie ausgestellt gewesen war.

Der Rest der Kunstpreis-Kandidaten kam zunächst in die Münchner Zentrale von Microsoft und ist dort im Moment in gut abgeschirmten Trainingsräumen für die Allgemeinheit, wie man so sagt, zugänglich. Als nächstes soll das Ensemble nach Paris wandern, um für einige Monate in der Microsoft-Europazentrale zu gastieren. Wenn ein Künstler Glück hat, dann wird sein Werk gekauft. Andernfalls erhält er es im Herbst zurück oder auch nicht. Denn einige Werke werden die Reise nach Übersee fortsetzen.

Die Werbeagentur, die Kunstpreis und Tournee organisierte, macht also ihrem Namen Planet Work of Art alle Ehre; bedauerlicherweise wurden die ausgefeilten Reisepläne, wie ein Erfahrungsbericht zeigt, den Künstlern nicht immer mitgeteilt. Es hat etwas Reizendes, wenn man zum Telephon greifen und mit der Suche nach dem eigenen Werk beginnen muß; nicht leicht in einer großen Softwarefirma mit ausgelagerter Kunstorganisation. Den Fall faßte einer der Betroffenen in einer Variation des aktuellen Microsoft-Werbeslogans zusammen: "Where do you want to go today - with my paintings?"