Das Jahr 1987 brachte nicht etwa das Ende einer langen Schreckensherrschaft, es war der Anfang von Vertreibungsterror und neuer Unterdrückung, auch einer weiteren Teilung des Landes. Damals begann der Völkermord an den Nuba im Nordsudan.

Ein Dutzend aneinandergeketteter Nuba versuchte in diesen Tagen - von der Gesellschaft für bedrohte Völker unterstützt -, mit einer Mahnwache in Bonn daran zu erinnern, was in dem Land unter der fundamentalistisch-islamischen Militärregierung geschieht. Kein Religionskrieg, sagen sie, sondern ein Genozid der arabischen Mehrheit an der schwarzhäutigen Minderheit. Sie standen in einer Ecke der Hofgartenwiese, ganz bescheiden, allenfalls am Rande von vorüberspazierenden Studenten bemerkt; den Platz hatten sie sich ausdrücklich ausgesucht, weil vis-a-vis das Französische Institut liegt, die Mahnwache aber auch gegen die französische Unterstützung des Sudans protestieren will. Das Institut hatte vorsichtshalber geschlossen.

An der Pressekonferenz nahmen so ungefähr zwei bis drei Kollegen teil. Dazu eigens angereist waren ein Vertreter des Exilkomitees der Nuba, Suleiman Musa Rahhal, sowie die Vorsitzenden der Gesellschaft für bedrohte Völker. Sie hatten ihren bedrückenden Report zur Lage der Menschenrechte im Sudan mitgebracht, der aber liegenblieb.

Gegen das Vergessen - so war übrigens der Aufruf derjenigen überschrieben, die dringend daran erinnern wollten, daß der 8. Mai 1945 nicht nur ein Tag der Befreiung gewesen sei, sondern "zugleich auch den Beginn von Vertreibungsterror und neuer Unterdrückung im Osten und den Beginn der Teilung unseres Landes" bedeutet habe. Unterschrieben hatten den Aufruf namhafte und namenlose Rechte und Ultrarechte.

"Gegen Vergessen - für Demokratie" nennt sich ein Verein, dessen Vorsitzender Hans-Jochen Vogel ist. Er will die Erinnerung an die deutsche Vergangenheit wachhalten und über die Ursprünge des Nationalsozialismus aufklären. Einer der Unterzeichner des Aufrufs von rechts erwiderte auf die Frage, warum man ausgerechnet den Namen des Vereins kopiert habe, der an Auschwitz erinnert, davon habe er nichts gewußt.

Beim Zuhören im Hofgarten: Wie schafft man es bloß, an die wirklich Vergessenen zu erinnern, die Schlagzeilen verdienen oder deren einzige Hilfe öffentliche Erinnerung ist, und dabei nicht vergessen zu werden?