Aber das erzählt Buchheim nicht. Er gibt lieber den Rabauz, spielt den verbalen Raufbold. Alle kriegen was ab, Handke, Historiker, Verleger, verlogene 8.-Mai-Redner, all die zahnlosen Sabberkerle eben, die ihm in Rage gerade zufallen. Das hat Unterhaltungswert. Die Mikrophone laufen. Manchmal möchte man Buchheim vor Buchheim schützen. Oder ihn einfach nur in die Arme nehmen: Buchheim ist das brüllende Gegenteil von Political Correctness, die personifizierte Incorrectness. Das ist sein Panzer, von Kindheit an. Und dafür hat man ihn in diesen Spießerzeiten lieb. So was wächst nicht nach.

Dann ist die Sendung aus. Der Drache in seiner Höhle ist müde. Die Kabel werden zusammengerollt. Und der stille alte Zauber kehrt zurück ins verwunschene Buchheimsche Wunderhaus. Die balinesischen Schattenfiguren, die japanischen Teepuppen, die Elefanten und Zirkusrösser fangen wieder an zu leben, alles träumt hier, tanzt aus der Reihe. Und irgendwann hat Buchheim ein kleines Stück Rüstung abgelegt. "Weiß denn noch einer, was das für eine Blamage war? Damals ein uneheliches Kind zu sein? Das Gefopptwerden in der Klasse, wer kann sich das heute noch vorstellen?" Nichts ist vergessen, gar nichts verheilt. Noch ein Romanstoff, natürlich: die tragische Existenz der Charlotte Buchheim, einer Malerin, die heute als exzentrische Individualistin gefeiert würde, damals aber gedemütigt, zernichtet wurde bis zum Wahnsinn. "Herrje, sie eckte doch dauernd an", sagt der 77jährige Mann. Der "lodernde Wahnsinn dieses Mutterhauses" hat den Blick des Buben früh geschärft. Bloß nie unterkriegen lassen. Damit dir keiner in die Suppe spuckt. Und immer feste druff. "Der junge Buchheim mußte sich gewaltig selber in die Kiemen fassen." Und der alte hat niemals damit aufgehört.

Auch Frau Buchheim arbeitet noch immer im Nebenzimmer. Ditti tippt, mein Gott, diese Anfragen, sie häufen sich, und Buchheim sagt, laß die Scheiß-Faxe einfach liegen.