Bislang erfreuten sich geistige und zuweilen wirkliche Brandstifter großer Langmut bei deutschen Strafgerichten. Über Jahre hinweg war umstritten, ob das öffentliche Leugnen des Massenmordes an Juden und anderen von den Nazis verfolgten Menschen überhaupt als Volksverhetzung strafbar oder schlimmstenfalls eine läßliche Sünde sei, die mit Bewährung geahndet werden könne. Jahrelang haben die Gerichte das Anzünden von bewohnten Häusern nicht zugleich als versuchten Mord an ihren Bewohnern gewertet, solange denen nur nichts passiert war.

Das dürfte sich nun bald ändern. Der Neonazi und NDP-Vorsitzende Günter Deckert wurde soeben vom Landgericht Karlsruhe wegen Volksverhetzung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Sein Partei- und Gesinnungsgenosse Heinrich Förster erhielt wenige Tage später vom Landgericht Schwerin vier Jahre wegen versuchter Brandstiftung und versuchten Mordes. Er hatte 1992 den Überfall einer Jugendbande auf ein Asylbewerberheim organisiert.

Deckert, dem immerhin schon sein Amt als Studienrat auf dem Disziplinarweg entzogen worden war, mochte glauben, von der Justiz drohe ihm keine ernste Not: Zweimal schon hatte er den Instanzenweg bis hin zum Bundesgerichtshof durchschritten. Dort wurde ihm zuerst Hoffnung und dann die Mannheimer Kammer mit dem unsäglichen Richter Orlet zuteil, die ihm Mut und Mannhaftigkeit zusprach. Wenn das einem Gesinnungstäter nicht helfen sollte, weiter zu bekennen?

Das hat Deckert in der dritten Tatgerichtsverhandlung getan. Fast könnte man geneigt sein, dem Fanatiker mildernde Umstände zuzubilligen, weil es ja Räte im gleichen Rang wie dem eines Studienrats auch nicht besser wissen. Immerhin: Richter Orlet, das Timing paßte, ist zeitgleich mit Deckert wegen Befangenheit von einem Kurden- Prozeß abgelöst worden. Die Richter-Anklage steht noch aus.