Cottbus blüht. Gleich nach Neujahr hatte das Faltblatt einer deutschen Großbank die frohe Botschaft verbreitet. Die erste Bundesgartenschau in den neuen Ländern! Welch ein Versprechen, die dunkelrote Blüte. Vorab sollte sie jeglichen Zweifel zu Staub zerfallen lassen: Ausgerechnet Cottbus, die Hauptstadt der Braunkohle, umzingelt von den Endmoränen des Tagebaus? Das Nest weit hinten in Brandenburg?

Gegenüber vom Bahnhof sprießen die ersten Blütengrüße. "Blumenmeer" tönt es an der Fürst-Pückler-Passage von einer Plakatwand, groß wie ein Frühbeet. Darüber zeigt sich achtfach eine botanische Unbekannte aus der Vogelschau: Pilsblumen, weiß wie Schneeball und genauso kugelrund. Gleich nebenan hat die nächste Brauerei geklebt und fragt: "Wo geht es zur Tulpenschau für Männer?" Weit kann es nicht sein.

Eigentlich hatte sich 1991 Berlin um die Gartenschau beworben. Aber zusätzlich zum Hauptstadtumzug und zur damals noch fieberhaft betriebenen Bewerbung für Olympia 2000? Das war denn doch ein bißchen dicke. Als die Berliner kleinlaut zurückzogen, hob Wolfgang Kleinschmidt, der Cottbusser Oberbürgermeister, gleich den Finger: "Hier! Wir schaffen das." Auch wenige Tage vor der Eröffnung des Großereignisses wird er nicht müde, den "Cottbusser Fleiß" zu beschwören, der alles, alles wenden soll.

Aufschwung durch die Blume? Üppig ins Kraut schießende Begehrlichkeit hatte Karl Zwermann, der Präsident des ausrichtenden Zweckverbandes Gartenbau, gleich zu Beginn mit der Heckenschere bearbeitet: "Eine Bundesgartenschau in angemessener Bescheidenheit und ohne Showeffekte" solle es werden. Das Bonsai-Format bitte, sittsam und rein.

In Null Komma nichts wurden daher zunächst einmal die Wurzeln der Marktwirtschaft freigelegt. Rosen, Tulpen, Nelken, diese drei verwelken, doch die eine nicht, sie heißt: Investition. Zahlen, die inzwischen jeder Cottbusser im Kopf hat: 130 Millionen Mark durfte die Buga kosten. 80 Millionen hat das Land Brandenburg beigesteuert, 15 Millionen der Bund. Nicht nach Blumigem steht Südbrandenburg der Sinn, sondern nach Wirtschaftsförderung. Wüchsig gedeihen sollen

Unternehmen und Arbeitgeber, Ladenpassagen und Bürofluchten, dann läßt sich Gewerbesteuer ernten. Kein Tag vergeht ohne frische Erfolgsmeldungen für die Leser der Lausitzer Rundschau: "Damit's zur Buga richtig rollt, wird am Montag der linke Fahrstreifen der A 15 in Richtung Berlin freigegeben." Eine Seite später die Tageslosung: "Empfangsbereit für die Buga-Gäste". Die Vision von den blühenden Landschaften, hier soll sie gleichermaßen sinnhaft und konkret eingelöst werden.

Viel Zeit blieb nicht. Andere Städte buddeln, stutzen, säen und harken fünf Jahre lang auf ein solches Ereignis hin. Hier ist es gerade mal anderthalb Jahre her, daß damit begonnen wurde, die ersten jener alten Bäume zu sanieren, die fünfzig Jahre lang nicht gepflegt worden waren.