Lateinamerikareisen kreuz und quer durch den Kontinent überfordern den Besucher. Klüger wäre es da, sich auf ein Land zu konzentrieren, auf Bolivien beispielsweise, das Dirk Bruns jetzt in einem Buch vorstellt: Bolivien (Express Reisehandbuch; Mundo Verlag, Köln 1994; 528 S., 44,- DM). Im selben Verlag ist von dem Autor zuvor schon ein Reisehandbuch über Argentinien erschienen.

Der erste Teil des Bolivien-Bandes vermittelt auf 300 Seiten fundierte Kenntnisse über Land und Leute. Die geographischen Regionen Boliviens werden in der naturräumlichen Gliederung dargestellt. Bolivien hat viele und facettenreiche Natur- und Wirtschaftsräume mit einer Unzahl an charakteristischen Pflanzen, Bäumen und Tieren, die in mehr als zwanzig Nationalparks geschützt werden sollen.

Der Beitrag über die Geschichte reicht von den vorinkaischen Kulturen bis zur jungen Demokratie, die das historische Schicksal Lateinamerikas in konzentrierter Form widerspiegelt.

In dem Kapitel "Politik und Gesellschaft" wird die multiethnische Identität Boliviens portraitiert. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den indianischen Urbevölkerungen, vor allem den altehrwürdigen Aymará im Hochland, aber auch den vielzähligen Tieflandvölkern.

Unter dem Motto "Vom Zinn zum Kokain" wird ein Einblick in die Ökonomie gegeben. Informative Kurzbeiträge widmen sich Kunst und Kultur in den Bereichen Architektur, Prosa, Film, Musik und Tanz, Karneval, Küche und Sprachgruppen.

Im zweiten Teil werden urbane Reiseziele mit touristischen Sehenswürdigkeiten und Ausflügen in die neun Departamentos des überwiegend tropischen Binnenlandes beschrieben. Bolivien, seit fast hundert Jahren ohne freien Zugang zum Meer, ist nach einem mit Peru 1992 abgeschlossenen Vertrag nunmehr im Besitz von fünf Kilometern Strand. An der Pazifikküste soll dort das Tourismusprojekt "Boliviamar" entstehen. Beliebtestes Ziel ist derzeit das tropische Tiefland im Oriente rund um die Stadt Santa Cruz de la Sierra am Ufer des Rio Pirai mit karibischbrasilianischem Flair.

Die sieben Land- und Regionalkarten, neun Stadtkernverzeichnisse und zwei Lagepläne zu den Ruinen von Tiahuanaco und der Isla de Oro im Titicacasee können bestenfalls einer vorläufigen Orientierung dienen. 37 Farb- und 151 Schwarzweißphotos illustrieren den Band, in dem auch Reisetips von A bis Z und ausführliche Literaturhinweise nicht fehlen. Dank der anschaulichen und differenzierten Insider- Beiträge von 25 bolivianischen und deutschen Mitarbeitern ist ein aktuelles und kenntnisreiches Reisehandbuch zu Bolivien gelungen.