Nach der Eroberung von Ost-Jerusalem im Sechstagekrieg hat Israel die vereinigte Stadt 1980 zu seiner Hauptstadt ernannt. Seitdem ist Jerusalem eine moderne Metropole geworden und zugleich eine uralte levantinische Stadt geblieben. Das dokumentiert der gelungene Bildband Jerusalem - Die Heilige Stadt von Rudolf Radke (mit 75 Farbphotos von Helmut Krackenberger, Verlag Herder, Freiburg, 68 Mark). Die allgegenwärtigen Polizisten und Soldaten, die in kugelsicheren Westen einen angespannten Frieden sichern und zugleich den Unfrieden der Region symbolisieren, zeigt der Photograph Krackenberger ebenso wie die Märkte im verwinkelten muslimischen Viertel oder den griechischorthodoxen Patriarchen bei der Segnung der Gläubigen. Viele Aufnahmen spiegeln das enge Miteinander (und Gegeneinander) der Religionen wider, wie es nirgends sonst auf der Welt zu finden ist.

Die Bildtexte des Fernsehkorrespondenten Radke stellen das Gezeigte in einen größeren Zusammenhang und vertiefen das Verständnis für diese komplizierte Stadt. Der Einführungsaufsatz ist eine ebenso knappe wie brillante Chronik Jerusalems. Der Autor erinnert daran, daß im zähen Ringen um Frieden im Nahen Osten die schwierigste Frage noch gar nicht verhandelt worden ist: Wem gehört Jerusalem?