Keine linearen Entwicklungen, keine Funktionsharmonik: Einzelne Instrumente oder ganze Sequenzen liegen in Schichten übereinander, werden ein- und ausgeblendet.

Der Sampler ist Musikinstrument, nicht Zitatmaschine. Laikas Samples sind selten als musikalische Versatzstücke identifizierbar, weder Autoren-Credits noch Urheberrechtsvermerke zieren das Cover. Statt dessen werden die Ohren der Hörer mit einer Unmenge von Geräuschen umspült. Ein Rattern, Blubbern, Gurgeln und vor allem Rauschen, eingetaucht in warme Feuchtigkeit.

Margaret Fiedlers Gesang flüstert, haucht der Musik Worte ein, Selbstgespräche in der Küche. Dazu sphärisches Flöten und Pfeifen, das an den Orbit denken läßt. Doch Vorsicht: Die Rockfraktion an Baß und Schlagzeug, deren Parts auf Platte immer zuerst eingespielt werden, groovt jeden Gedanken an abgehobenen Ethno-Eskapismus aus dem Weg.

Laika findet ihre Inspiration in ihrer Wohnung, die zugleich ihr Aufnahmestudio ist, im hektischen Londoner Stadtteil King's Cross: den kreativen Moment der Ruhe inmitten hypernervöser großstädtischer Musiker-Szenarien, den Spaß, den Ehrgeiz, diese ständig neu zu mixen.

Pioniergeist sieht heute anders aus als zu Hündin Laikas Zeiten: Die Pole sind erforscht, die Gestirne vermessen - Heldentaten spielen sich in den kleinen Zwischenräumen ab. Die Erkenntnis, daß dialektisches Denken in der Musik mehr und mehr aufgelöst wird durch das stetige Verfeinern und neue Vernetzen bereits vorhandener Strukturen, findet in Laikas musikalischem Kosmos vollkommene Entsprechung. Sie sind - im besten Sinne des englischen Wortes - ein go-between und als solcher mit ihrer aktuellen Veröffentlichung "Silver Apples Of The Moon" eine Chance für all jene, die bisher noch nicht so recht warm werden mochten mit den aus England herüberwehenden sounds and systems.