Dem Bundespräsidenten gelingt hoffentlich jene längst überfällige Geste, zu der sich Kanzler und Außenminister bisher nicht entschließen konnten: Die tschechischen Opfer der NS-Herrschaft sollen von Deutschland ohne Wenn und Aber entschädigt werden, befand Roman Herzog beim Treffen mit Václav Havel in Prag. Kein Junktim also mit einer Entschädigung für die vertriebenen Sudetendeutschen von tschechischer Seite. Denn wo Ursache und Wirkung so offen zutage liegen wie in dieser deutsch-tschechischen Unrechtsgeschichte, ist das Versprechen eine notwendige Vorleistung für jedes Entgegenkommen aus Prag.

Vielleicht schafft gerade Herzog den politisch-psychologischen Durchbruch: Den Sudetendeutschen verständlich zu machen, daß sie in der Öffentlichkeit um so eher eine Würdigung ihrer Leiden erfahren, je weniger sie diese instrumentalisieren. Und den Tschechen muß glaubhaft gemacht werden, daß die Sudetendeutschen kein Vortrupp eines wieder groß gewordenen Deutschlands sind, von dem neue Gefahr für den kleinen Nachbarn ausgehen könnte.