Hinter einem antiken Schreibtisch, umgeben von berühmten und einmaligen Kunstwerken, so stellt man sich den Chef des Louvre an seinem Arbeitsplatz vor. Doch nein, Pierre Rosenberg, Präsident und Generaldirektor des immer noch größten und meistbesuchten Museums der Welt, sitzt in einem der kleinen hellen Erker dieses ehemaligen Palastes der französischen Könige, und sein unablässig wechselndes Gemälde ist die Seine, die unter den hohen Fenstern vorbeifließt.

Der Stil des nicht großen Arbeitstisches ist unter Aktenbergen verborgen. Hinter den dicken Mauern wird gehämmert und gebohrt, nicht zu überhörende Erinnerung daran, daß eine der Hauptaufgaben des Louvre-Chefs die immer noch nicht beendete Renovierung der Museumsstadt ist. Die Arbeit von sieben Architekten und vielen Konservatoren will harmonisch koordiniert sein. Der historische Wert dieses Palastes und seiner sieben Kunstabteilungen darf nicht durch moderne Klimaanlage, Beleuchtungseffekte und Raumgestaltung verschandelt werden. Noch zwei Jahre müssen Techniker und Kunsthistoriker mit Respekt vor den kostbaren Objekten und jahrhundertealter Vergangenheit gemeinsam zu Werke gehen. Von Glaspyramiden a la Ieoh Ming Pei, wie für den neuen Teil des Louvre gebaut, sollen die traditionsbewußten Franzosen hier nicht erschreckt werden. Dieser Teil des Museums wird ein Königspalast bleiben.

Die größte Sorge von Monsieur Président-Directeur-Général, kurz PDG genannt, gilt den Besuchern (1994 waren es 6,2 Millionen), die wegen der Baustellen nun für einige Zeit nicht durch die ägyptischen, die griechischen, die etruskischen und römischen Sammlungen schlendern können. Die Kollektionen von sechs der sieben Abteilungen werden ständig umziehen, umgestellt und umgehängt werden, denn der alte Flügel, in dessen Erdgeschoß die Venus von Milo steht und wo eine Etage höher die Mona Lisa hängt, ist voll bis oben hin. Doch alle wichtigen Kunstwerke sollen, wo auch immer in diesem riesigen Komplex, auch weiterhin zu sehen sein. "Die Leute, die immer wiederkommen, um ein bestimmtes Gemälde zu sehen, die mögen wir sehr", sagt der PDG, "sie sollen sich bei uns wohlfühlen." So sieht das Aufsichtspersonal auch schon mal weg, wenn Besucher mit angebrochener Coladose sandwichkauend dicht vor einem unersetzlichen Rubens stehen.

Pierre Rosenberg, vom französischen Ministerrat für vorläufig drei Jahre zum Louvre-Chef bestellt und seit Oktober vergangenen Jahres im Amt, wurde am 13. April 1936 in Paris geboren. Sein Vater war Jurist in Köln, seine Mutter eine Münchnerin. Kunst ist in der Familie Tradition. Der Großvater sammelte holländische Malerei. Die Eltern nahmen den Sohn früh in die Museen mit.

Das Spezialfach Pierre Rosenbergs, der Jurist ist wie sein Vater und Kunstgeschichte auf der Schule des Louvre studiert hat, ist die italienische und französische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts. Als 25jähriger machte er - in Rouen - seine erste Ausstellung mit Werken des französischen Malers Nicolas Poussin (1594-1665), der in seinen Augen "einer der größten der Kunstgeschichte" ist. 1962 wurde Rosenberg Assistent eines Konservators im Louvre und hat seitdem diesen Kunsttempel nicht wieder verlassen.

Zwischen 1979 und 1994 stellte er für Museen in Europa und den USA sechs große Ausstellungen zusammen - Chardin, Watteau, Subleyras, Fragonard, Le Hyre und noch einmal Poussin. Seine Karriere als Kunsthistoriker und Kunstwissenschaftler fügte sich, wie er selbst sagt, "aus Sympathie und Zufall". "Damals", erinnert er sich, "war der Louvre eine kleine Familie. Jeder kannte jeden, wir lebten abseits der Realitäten der Welt. Es gab ein paar Konservatoren und Aufseher, aber kein Restaurant, kein öffentliches Telephon, keinen Verwaltungsapparat." Selbst die Maler, die früher zu Ausbildungszwecken die Museumskollektion kopierten, fanden den Louvre zu verstaubt und blieben allmählich weg.

Heute kommen sie wieder und verlangen von der Direktion besseres Licht. Licht, das auf die Wand fällt und nicht nur auf den Parkettboden des Palastes. Heute ist Pierre Rosenberg - als höchster Chef des Louvre ohnehin verantwortlich für alles: die Kollektionen, das Licht, das Wohlbefinden der Besucher - zuständig und verantwortlich für 1600 Angestellte mit 40 verschiedenen Berufen, darunter 60 hochspezialisierte Konservatoren. Er verwaltet die 667 Millionen Franc des jährlichen Museumsbudgets (75 Prozent Subventionen, 25 Prozent Eintrittsgelder) und die Millionen für die Bauarbeiten.