Zwei Pistolen trägt Edward Brown im Schulterhalfter. Er legt sie ab, steckt sich eine sicherheitshalber dann doch wieder in den Gürtel, zieht ein Jackett über. "Von heute an", sagt er, "trägt der Milizionär Anzug." Brown hat sich als Sprecher der Constitution Defense Militia vorgestellt. "Andere können oder wollen jetzt nicht reden, aber ich stehe Ihnen zur Verfügung - Kaffee, meine Herren?"

Browns Miliz zur Verteidigung der Verfassung zählt einige tausend Mitglieder: "Wahre Amerikaner." Zur Zeit aber scheuen viele das Licht der Öffentlichkeit. Brown verzieht sein Gesicht zu einem kalten Grinsen: "Sagen wir einmal so, wir haben Gruppen in allen Neuengland-Staaten, aber seit dem Zwischenfall hat die Constitution Defense Militia nach außen hin nur ein Mitglied, mich."

Der "Zwischenfall" war der Bombenanschlag von Oklahoma City, die, wenn Schrecken überhaupt qualifizierbar ist, schlimmste Terrortat in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Timothy McVeigh, der als Bombenleger unter Anklage steht, hatte Verbindungen zur Michigan Militia, einer anderen, noch größeren rechtsextremistischen Truppe "wahrer Amerikaner". Die waffenstarrenden Milizen hatten untereinander Kontakt, und man möchte glauben, paramilitärische Haufen wie diese würden jetzt von der Polizei observiert und ein Mann wie Brown müßte abtauchen. Aber nichts da. "Morgen um elf Uhr, Sir", hatte er am Telephon beschieden und in knappen Worten Anweisungen für die Anfahrt gegeben. "Fahren Sie langsam, wenn Sie erst einmal auf meinem Grundstück sind."

Plainfield in New Hampshire, nahe der Staatsgrenze zu Vermont. Gedeckte Holzbrücken führen über den Connecticut-Fluß, die weißen Farmhäuser wirken wie von Norman Rockwell gemalt, nur die riesigen Satellitenschüsseln passen nicht in die bukolische Landschaft. Sieben Meilen östlich auf der Pump Road, eine halbe Meile nördlich auf der Center of Town Road, Nummer 121, liegt das Anwesen Browns. Das Grundstück reicht so weit, wie das Auge sehen kann, fünfzig Hektar Bergwald. Ein Tiefbrunnen, Batterien von Solarzellen - offensichtlich will der Eigentümer autark leben.

Ein Hund schlägt an, sonst rührt sich nichts. Brown steht abwartend, beide Hände an den Pistolengriffen, hinter der Eingangstür. Das Sternenbanner weht neben der Fahne New Hampshires und jener der Miliz. Aber es ist umgedreht, um den Notstand anzuzeigen.

Eines will er klarstellen, der Milizchef: Mit den "Spinnern" von der rassistischen Aryan Nation wünscht er nicht verwechselt zu werden. "Auf unserer Fahne sind ein Fisch, ein Kreuz und ein Davidstern zu sehen, wir sind weder weiße Herrenmenschen noch Antisemiten." Und auch keine Neonazis. In bizarrer Logik erklärt er, weshalb das Recht, Waffen zu tragen, verteidigt werden muß: "In Deutschland gibt es Waffenkontrollgesetze, hätten die Juden aber Waffen besessen, wäre es Hitler nicht gelungen, sie zu vernichten."

Browns Credo ist schlicht. Er braucht allerdings lange Zeit, um es vorzutragen, denn es will ihm nicht gelingen, einen Gedanken zu Ende zu führen. "Warum sind in der vergangenen Woche 1900 ostdeutsche Soldaten in Texas gelandet?" "Wenn ich hier hochgehe, gehen viele mit." "Es werden sich noch einige für Waco verantworten müssen." "Ich würde gerne einmal den Schwarzwald besuchen." "Die Leine da hinten am Waldrand, die hat unser Ausbilder immer von der Terrasse aus durchschossen, mit einem Schuß."